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"Wir sehen die Dinge nicht so, wie sie sind.
Wir sehen sie so, wie wir sind."
(Anais Nin)



Wer als Führungskraft oder Trainer viel mit Menschen und Gruppen zu tun hat, braucht ein hohes Maß an Bewusstheit für sich selbst und andere, um besser zu kommunizieren, Gruppen zu leiten und wichtige Dinge ansprechen zu können. Je besser die eigenen Antennen entwickelt sind, umso besser kann in Gesprächen oder Gruppensituationen reagiert und gehandelt werden. Je mehr Informationen zur Verfügung stehen, umso besser können Entscheidungen getroffen werden und Gespräche geführt werden. Genauso wie ein Musiker sein Gehör schulen kann, können wir unsere Wahrnehmungsfähigkeiten trainieren und verbessern.

Bewusstheit ("awareness") bezeichnet die gegenwärtige, nicht-bewertende Wahrnehmung des eigenen Selbst und der Umwelt. Man kann sich sowohl seiner Sinneswahrnehmungen wie Sehen, Hören, Berühren, Riechen und Schmecken als auch seiner Gedanken, Phantasien, Gefühle, Bedürfnisse, Werte, Handlungen und Körpersensationen (z.B. Verspannungen, Wärmeempfindungen usw.) bewusst sein. Bewusstheit ist ein fortschreitender Prozess, da sie zu jeder Zeit verfügbar ist und keine einmalige Erleuchtung darstellt. Dieses fortschreitende Erleben von Bewusstheit von Augenblick zu Augenblick wird "continuum of awareness" genannt. Diese Wahrnehmungen sind immer subjektiv, das heißt, zwei Personen haben zum gleichen Zeitpunkt bei Wahrnehmung desselben Objektes nie das vollständig gleiche Erleben. Je mehr die eigene Bewusstheit fortschreitet, umso mehr gelingt es in Gesprächs- und Gruppensituationen sich selbst und andere besser wahrzunehmen. Dies führt zwangsläufig zu einer klareren Kommunikation und Gesprächssteuerung. Auch für ein gutes Feedback an andere, ist eine hohe Bewusstheit notwendig.


Es lassen sich zwei Zonen der Wahrnehmung unterscheiden:

Die Innenwahrnehmung: Wahrnehmung eigener Gedanken, Interpretationen, Phantasien und Gefühle.
Die Außenwahrnehmung: Die klassischen Sinneswahrnehmungen der aktuellen Umwelt.
Häufig findet eine Vermischung zwischen der eigentlichen Sinneswahrnehmung und einer Interpretation statt. Wenn eine Person in einem Seminar die Arme verschränkt hält, muss dies nicht gleich Verschlossenheit signalisieren, dies ist nur eine Interpretation. Häufig verbinden wir Wahrnehmungen mit Bewertungen.

Ein hilfreiches Instrument, um die eigene Wahrnehmungsfähigkeit zu schulen, ist das Bewusstheitsrad von Sherod Miller/Michael Paula. Mit dem Bewusstheitsrad können wir in einer Kommunikationssituation analysieren "Was läuft genau jetzt hier ab?". In Kommunikations- und Trainingssituationen geht es darum, auf allen fünf Ebenen maximale Bewusstheit zu erreichen, um
- eigene Entscheidungsmöglichkeiten zu vermehren,
- die Eindeutigkeit unserer Kommunikation zu steigern,
- Missverständnisse und Konflikte zu vermindern und
- uns selbst und den anderen in Kommunikationssituationen besser zu verstehen.



In jeder Situation gibt es fünf Hauptinformationen, die häufig in Sekundenbruchteilen ablaufen:

1. Sinneswahrnehmung

Die Sinneswahrnehmung ist alles, was Sie mit Ihren fünf Sinnen in der Umwelt aufnehmen: sehen, hören, riechen, schmecken, tasten.
Häufig bevorzugen wir bestimmte Sinneskanäle. Oft sind unsere Wahrnehmungen mit Bewertungen verknüpft.


2. Gedanken, Interpretationen

Gedanken geben den Sinneswahrnehmungen eine Bedeutung bzw. einen Sinn. Gedanken entstehen aus vergangenen, gegenwärtigen und erwarteten Erfahrungen. Häufig denken wir, dass diese Interpretation die Wahrheit ist. Interpretationen sind jedoch keine Tatsachen. Aktuelle Sinneswahrnehmungen werden häufig sofort mit Erinnerungen verglichen: Mit welcher bekannten Situation ist meine aktuelle Sinneswahrnehmung vergleichbar?


3. Fühlen

Gefühle sind spontane emotionale Reaktionen auf die Sinneswahrnehmung und Gedanken. Gefühle sind ein Barometer unseres Innenlebens und können wichtige Hinweise bei Sachproblemen geben. Wir fühlen permanent etwas, sind uns diesen Gefühlen jedoch nicht immer bewusst. Gefühle geben häufig schnellere Information als unser Denken. Um besser Handeln zu können, ist die Frage wichtig "Was fühle ich gerade jetzt"? Dies heißt nicht, dass jeder immer seinen Gefühlen folgen sollte, sondern dass wir die Information unserer Gefühle mit berücksichtigen sollen.


4. Absichten, Wünsche

In Gesprächsituationen wollen wir auch etwas tun. Was wir zu tun haben, sagt uns ein Bedürfnis, ein Impuls, ein Wunsch oder ein Ziel oder Plan. Unsere Wünsche drücken aus, was wir erhalten, erreichen oder werden wollen. Wir können klarer kommunizieren, wenn wir unsere eigenen Wünsche und die Absichten der anderen deutlich ausdrücken können.


5. Verhalten

Verhalten drückt aus, was ich gerade tue oder tat. Häufig ist das Verhalten das Ergebnis von Denken oder Gefühlen. Ich kann mir in bestimmten Situationen auch unbewusstes Verhalten bewusst machen. Was tue ich gerade mit meinen Händen, was mit meinen Beinen?

 

Autor: Ingo Th. Krawiec, Krawiec Consulting



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