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Umgang mit persönlichen Angriffen
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"Schlagfertigkeit ist etwas, worauf du erst 24 Stunden später kommst."
(Mark Twain)


Jeder von uns hat schon eine Gesprächssituation erlebt, in der plötzlich unser Gegenüber, aus welchen Gründen auch immer, einen persönlichen Angriff startet. Unter einem persönlichen Angriff ist hier eine verbale Äußerung gemeint, die versucht, uns als gesamte Person zu treffen und zu verletzen. Meist sind wir dann überrascht, wie es das obige Zitat andeutet und uns fällt häufig erst später eine angemessene Reaktion ein. Manchmal steckt keine böse Absicht hinter dem Angriff, sondern der andere will einfach unsere Kommunikationskompetenz abckecken.

Solche persönlichen Angriffe können im Berufsleben bei Verhandlungen, Präsentationen und Besprechungen auf-
treten. Auch Trainer bleiben hiervon nicht verschont. Eventuell würde uns ein Psychologe raten, in uns zu gehen und uns zu fragen, warum wir auf einen bestimmten An-
griff bzw. Vorwurf gekränkt reagieren oder uns ange-
griffen fühlen. Ob wir einen Angriff persönlich nehmen oder nicht, hat natürlich immer etwas mit unserer Lebens-
geschichte, unseren Erfahrungen und unserem Selbstbe-
wusstsein zu tun. Dieses Nachdenken über uns, verändert vielleicht langfristig etwas, kurzfristig helfen uns diese Überlegungen jedoch nicht weiter. Natürlich versucht man zu ergründen, warum der andere so reagiert, aber selbst, wenn ich die Gründe kenne, bleibt der Angriff ein Angriff.

Im privaten Bereich kann es sinnvoll sein, auf Grund des Angriffes die Beziehung grundsätzlich in Frage zu stellen und in ein intensiveres Gespräch einzutauchen. Im Berufsleben oder bei öffentlichen Auftritten ist dies nicht immer möglich. Tatsache ist, dass wir schnell und ange-
messen auf einen verbalen Angriff reagieren müssen, sonst besteht die Gefahr, dass wir im Gespräch Energie verlieren, ärgerlich werden und wir nach dem Gespräch unzufrieden mit unserer Reaktion und dem Ergebnis sind. Um dies zu vermeiden, kann uns verbale Schlagfertigkeit helfen. Natürlich setzt dies voraus, dass wir während des Gesprächs wach und aufmerksam sind um dann schnell reagieren zu können. Persönliche Angriffe nehmen in der Regel in dem Maße ab, in der unsere Selbstsicherheit zunimmt. Unsere Ausstrahlung hält den anderen von Angriffen ab.

Im Folgenden möchte ich Ihnen vier Basisstrategien im Umgang mit persönlichen Angriffen vorstellen. Diese Strategien kommen ursprünglich aus den asiatischen Kampfkünsten und orientieren sich an den vier Grundele-
menten: Feuer, Luft, Erde und Wasser. Aufgrund der hohen Kraft dieser Bilder setze ich diese Einteilung häufig in meinen Trainings ein.

 

Was kann man bei persönlichen Angriffen konkret tun?


1. Strategie des Feuers

Jeder kennt diese Strategie. Wir beantworten einen Angriff mit einem Gegenangriff. Da hier Wärme entsteht, wird diese Strategie mit Feuer bezeichnet. Nicht immer ist diese auch erfolgreich, da es hier zu einem Schlagabtausch kommen kann, der für beide Gesprächspartner sehr kraft-raubend ist. Jedoch kann es bei manchem verbalen Angriff durchaus angemessen sein, mit einem Gegenangriff zu kontern. Dies ist in den Fällen angebracht, wo unser Ge-
genüber nur unsere verbale Kompetenz oder unsere Gren-
zen testen will und sich dann nach dem Gegenangriff mit unserer Reaktion zufrieden gibt.



2. Strategie der Erde

Diese Strategie bedeutet im Kampfsport den Angreifer so-
fort zu stoppen und zu Boden zu befördern. In Gesprächs-
situationen bedeutet dies, dem Gegenüber klare Grenzen aufzuzeigen und zu signalisieren: "Nicht mit mir!". Bei der Strategie der Erde stoppen wir den Angriff durch Aussagen wie: "Ich möchte Sie bitten, in einem anderen Ton mit mir zu sprechen.", "Auf dieser Ebene möchte ich mit Ihnen nicht weitersprechen.", "Gerne bin ich bereit, mit Ihnen darüber zu reden, aber lassen Sie uns das bitte ruhig und sachlich tun." oder "Entweder wir kommen jetzt wieder auf eine sachliche Ebene oder ich beende das Gespräch." Wir setzen dem Gegenüber eine klare und deutliche Grenze und werden das Gespräch nicht weiter fortsetzen, wenn unser Gesprächspartner sein Gesprächsverhalten nicht verändert.



3. Strategie der Luft

Hiermit ist gemeint, dass der Angriff des Gegners ins Leere geht. Bei einem echten körperlichen Angriff würde man einen Seitenschritt machen, so dass der Gegner an uns vorbei rennt. In einer Gesprächssituation gibt es ver-schiedene Möglichkeiten, den Angriff ins Leere laufen zu lassen. Voraussetzung ist, dass die Äußerung des anderen uns innerlich nicht wirklich trifft. Mögliche Äußerungen sind hier: "Vielen Dank für Ihr Feedback.", "Ja, das stimmt." oder "Interessante Sichtweise". Danach sollte das Ge-spräch ganz normal weitergeführt werden. Möglich ist auch, dass man sich gar nicht zu dem Angriff äußert. Als Präsident Bush im Bundestag eine Rede hielt, wurde ein kritisches Plakat hochgehalten. Er hat dieses einfach ignoriert. Dies ist jedoch nur möglich, wenn man wie oben bereits angesprochen, nicht schon emotional getroffen ist.


4. Strategie des Wasser

Diese Strategie kennen die einige von Ihnen vielleicht aus dem Judo oder Aikido. Man nutzt die Kraft des Angriffes zu einem Gegenangriff. Bei Aikido wird die Energie des an-
kommenden Gegners für einen Wurf genutzt. Wenn man mit einen Stock ins Wasser schlägt, kann man selbst dabei nass werden. Wenn sich ein Gegner auf einer gewissen Ebene bewegt, können wir auf dieser Ebene zurückschla-
gen. Wenn man als Mann mit "Junger Mann" angeredet wird, kann man mit "Junge Frau" kontern. Ich erinnere mich an eine Talkshow, in der der Talkmaster versuchte, eine junge Frau zu verunsichern, indem er sich nach ihrem Sexualleben erkundete. Sie antwortete: "Bei mir läuft es gut und wie sieht’s bei Dir aus?" Der Talkmaster wirkte etwas verunsichert und wechselte das Thema. Die Strate-
gie des Wassers erscheint sehr attraktiv, da man in einem Gespräch durch einen gut gekonterten Angriff, beim Publi-
kum und bei sich selbst Punkte machen kann.



Diese beschriebenen Strategien sind hauptsächlich für öffentliche Situationen im Berufsleben gedacht. Natürlich ist es im Privatleben häufig sinnvoller die sogenannte "Metakommunikation" zu betreiben, das heißt, darüber zu sprechen, wie man miteinander spricht und auch auszu-
drücken wie es einem dabei geht.


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