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Das 1x1 der Rhetorik
Artikel Nr.: 06
 
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"Versuche keine Effekte zu erzielen, die nicht in Deinem Wesen liegen."
(Tucholsky)


Rhetorisches Geschick gehört zu den Basisfähig- keiten von Führungskräften, Trainern und Verkäufern. Je nachdem wie ein Vortrag oder eine Präsentation rhetorisch gestaltet wird, ist er motivierend, verständlich und interessant oder langweilig und ermüdend. Der erste Schritt die eigene Rhetorik zu verbessern ist, sich die eigene gegenwärtige Rhetorik bewusst zu machen und dann eine Entscheidung zu treffen, ob man diese ändern möchte oder nicht.

Letztendlich geht es um persönliche Stimmigkeit und Verständlichkeit. Gerade die Tipps zum Thema Rhetorik nehmen immer mehr den Charakter eines Knigge-Buches an, wo genau steht was "man" darf und was "man" nicht darf. Die vielen Gebote und Verbote führen immer mehr dazu, dass man gar nicht mehr weiß, was man tun soll.
Ich setze mich für eine lebendige und stimmige Rhetorik ein. Rhetorik muss zur eigenen Person passen. Wobei es natürlich wichtig ist zu überprüfen, ob nicht das eine oder andere verbessert werden könnte.

Im Folgenden werden Grundelemente der Rhetorik erläu-tert und jeder kann prüfen, inwieweit er das eine oder andere verändern möchte. Richtig falsch sind bestimmte Verhaltensweisen nur, wenn sie andauernd praktiziert werden. Wenn man beispielsweise seine Arme eine Stunde lang verschränkt hält, wirkt dies eher steif. Wenn dies nur eine Minute dauert, ist das jedoch nicht gravierend.

Zunächst ist bei der Rhetorik die Körpersprache wichtig, da sie die ersten visuellen Informationen Ihren Teilneh-mern gibt. Ein Großteil unserer Kommunikation läuft über die Körpersprache.


Die Wirkung der Körpersprache hängt von folgen-den Aspekten ab:

1. Körperhaltung

Die Körperhaltung beinhaltet, wie Sie insgesamt vor den Teilnehmern stehen. Das beeinflusst stark den Gesamtein-druck der Rede. Günstig erweist sich eine offene, gerade und zugewandte Körperhaltung. Die Beine stehen schulter-breit. Das Spielbein steht leicht vor dem Standbein.


2. Gestik

Gesten unterstützten die Sprache. Die Gesten sollten insgesamt zu Worten passen. Gesten unterstreichen die Rede. Sie sollten natürlich und klar wirken. Unnötige Gesten wie Hände reiben, mit Kugelschreiber spiele usw. sollten vermieden werden. Auch, wenn immer die gleichen Gesten genutzt werden, wird dies irgendwann langweilig. Gesten kann man am besten überprüfen indem man sich selber im Video sieht. Hier kann man leichter bestimmte Angewohnheiten oder unpassende Gesten erkennen. Manchmal können kleine Veränderungen in den Gesten einen großen Unterschied in der Präsentation bewirken. Gesten müssen auch zum eigenen Typ passen. Wenn ich eher sachlich bin, brauche ich keinen wilden Gesten.


3. Mimik

Die Mimik ist unser Gesichtsausdruck. Gesichtsausdrücke können Geschichten erzählen. Jedoch ist der gekonnte Einsatz der Mimik eine fast schauspielerischen Leistung. Achten Sie jedoch darauf, dass sie nicht zu ernst oder teilnahmslos dreinschauen.


4. Blickkontakt

Blickkontakt schafft Kontakt zu den Teilnehmern. Erst durch Blickkontakt bekomme ich Teilnehmerreaktionen mit. Kein Blickkontakt signalisiert Desinteresse an den Teilnehmern. Versuchen Sie bei der Rede zu jedem Teil-nehmer im Raum Blickkontakt zu halten. Durch Blickkon-takt fühlen sich die Teilnehmer persönlich angesprochen.

Wenn die Gruppe zu groß ist, teilen sie diese in Bereiche auf, die sie regelmäßig anschauen.


5. Raum

Raum beinhaltet den Raum, den der Redner bei der Rede in Anspruch nimmt. Habe ich genug Raum um meine Rede zu halten oder verstecke ich mich eher hinter dem Flip-chart? Wenn Sie die ganz Zeit wie angewurzelt stehen bleiben, kann auch die Rede langweilig werden. Nutzen Sie den Raum der Ihnen zur Verfügung steht, ohne hektisch umherzulaufen.


6. Äußere Erscheinung

Mit äußere Erscheinung ist unsere Kleidung bzw. unser Outfit gemeint. Unser Kleidung ist ein Kommunikations-mittel. Je nachdem wie wir uns kleiden kommunizieren wir durch unsere Kleidung. Wir signalisieren, ob wir sportlich, konservativ oder alternativ sind. Auch der erste Eindruck den die Gruppe von Ihnen hat, wird stark durch die äuß- ere Erscheinung geprägt. Die meisten Teilnehmer bilden sich in 0,26 Sekunden ihren Eindruck vom Redner. Die Wirkung der Kleidung sollten wir uns bewusst machen. Wichtig ist auch, ob unsere Kleidung zum Anlass bzw. zur Zielgruppe passt. Kleidung sollte ankopplungsfähig an die Zuhörergruppe sein, d.h. wir sollte durch unsere Kleidung keine unnötigen Widerstände auslösen. Hier gilt die alte Regel: "Besser overdressed, statt underdressed." Jedoch sollten Sie sich natürlich auch in der Kleidung wohl fühlen. Am leichtesten ist es sein Erscheinungsbild zu überprüfen, wenn Sie sich Rückmeldung von Freunden oder Kollegen einholen.



Ein weiterer Aspekt der Rhetorik ist unser Sprache und Stimme.

1. Lautstärke

Die Lautstärke ist ein wichtiges gestalterisches Mittel in der Rede des Trainers. Ein Trainer sollte immer während der Rede ein bisschen lauter sprechen wie normal, da er auch in der letzten Reihe verstanden werden muss. Variationen in der Lautstärke können Spannung in der Rede erzeugen.


2. Pausen

Pausen sind keine Leerstellen. Pausen erzeugen Spannung in der Rede. Pausen geben die Möglichkeit mal einen Atemzug zu nehmen und nachzudenken. Pausen sind wichtig, damit die Informationen von den Teilnehmern auch verarbeitet werden können. Viele Redner vermeiden Pausen, weil Sie Angst haben, dass es die Teilnehmer langweilt oder weil Sie Ihre eigene Unsicherheit spüren.


3. Modulation

Modulation beinhalten, ob die Rede auch Höhen und Tiefen und nicht nur monoton gesprochen wird. Heben und Sen-ken Sie die Stimme für einen wirkungsvollen Auftritt.


4. Artikulation

Artikulation beinhaltet die Lautbildung der deutschen Sprache. Ist meine Aussprache zu verstehen oder sind manche Worte nur schwer zu verstehen? Spreche ich stark Dialekt oder bin ich auch von Teilnehmern aus anderen Bundesländern zu verstehen?


5. Betonung

Betonung ist der gelbe Textmarker in der Rede. Mit Beto-nungen gebe ich einzelnen Worten eine besondere Bedeu-tung und einen besonderen Sinn. Betonungen machen die Rede lebendig. Je nachdem wie etwas betont wird kann sich der Sinn verändern.


6. Sprechgeschwindigkeit

Wählen Sie eine angemessene Sprechgeschwindigkeit. Weder zu schnell noch zu langsam ist hier gut. Viele Redner haben die Tendenz zu schnell zu reden. Die Folge ist, dass das Publikum an irgendeiner Stelle den Faden verliert oder abschaltet.

Folgende rhetorischen Hilfsmittel unterstützen die Rede:

Nutzen Sie Metaphern und eine bildhafte Sprache.

Erzählen Sie Geschichten und bringen Sie Beispiele aus der Praxis.

Übersetzten Sie die Fachsprache in eine Alltagssprache.

Vermeiden Sie Schachtel- und Nebensätze.

Nutzen Sie Vergleiche und Analogien aus fremden
Bereiche ("In der Technik würde man ...).

Nutzen Sie Zitate und Zeitungsmeldungen.

Beziehen Sie Teilnehmer durch Fragen ein.

Nutzen Gegenüberstellungen von Pro und Contra, Soll und Ist, von Früher und Heute, um Spannungsbögen
aufzubauen.

Nutzen Sie die KISS-Formel. (KISS = Keep it short and simple).


Autor: Ingo Th. Krawiec, Krawiec Consulting



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