|
"Sprich - damit ich dich sehe."
(Sokrates)
Die Redewirkung eines
Trainers oder Redners ist nicht nur von den sachlichen Argumenten abhängig,
sondern auch von der Gesamtwirkung seiner Persönlichkeit. Bei Politikern
bilden wir uns sehr schnell ein Urteil darüber, ob wir sie sympathisch
finden oder ob wir ihnen trauen können. Die beste Vorbereitung für
eine Rede hilft nichts, wenn wir nicht die Menschen als Person berühren.
Auch die beste Beamerpräsentation kann dies nicht ausgleichen.
Welche Persönlichkeitsfaktoren beeinflussen
unsere Überzeugungskraft?
1. Glaubwürdigkeit

Je glaubwürdiger ein Redner ist, umso mehr vertraut man ihm und umso
besser kommen auch seine Argumente an. Man kann nur überzeugend für
etwas eintreten, an das man wirklich glaubt. Ein Finanzminister, der selbst
im Luxus schwelgt, wirkt unglaubwürdig. Des Weiteren hängt die
Glaubwürdigkeit auch vom persönlichen Hintergrund und den Erfahrungen
ab. Einem Trainer für Führungskräfte, der selbst Führungskraft
war, glaubt man mehr. Reinhold Messner nimmt man seine Geschichten über
die Berge ab, weil er sie selbst erlebt hat. Für den Redner oder
Trainer ist es wichtig seinen Bezug zum Thema kompetent zu vermitteln
und die Dinge von denen gesprochen wird auch als Person zu verkörpern.
2. Begeisterungsfähigkeit

Begeisterungsfähigkeit ist eine häufig geforderte positive Eigenschaft
über die ein Redner verfügen sollte. Doch was meint man eigentlich
mit dieser teilweise etwas abgenutzten Vokabel? Begeisterungsfähigkeit
heißt, dass man selbst voll hinter einer Sache steht und Herzblut
hineinsteckt. Natürlich gehört auch der Spaß am Erzählen
dazu.
Begeisterung für ein Thema zu entwickeln und vor allem auch zu halten,
ist eine große Herausforderung für den professionellen Redner.
Es ist beeindruckend, wie so mancher Talkmaster auch nach der hundertsten
Sendung die gleiche Frische und Lebendigkeit ausstrahlt.
3. Authentizität

Authentische Redner überzeugen dadurch, dass für das Publikum
die Gedanken und Gefühle des Redners (innen) und mit dem gezeigten
Verhalten (außen) übereinstimmen. Wer nur ein Pokerface zeigt,
dem kann man nur schwer Vertrauen schenken. Wer unnatürlich redet,
baut Misstrauen auf. Jede Maskierung wird längerfristig vom Publikum
erkannt. Nur wer sich als Redner wirklich so gibt, wie er tatsächlich
ist, überzeugt.
4. Fachkompetenz

Personen, denen man eine hohe Fachkompetenz zutraut, überzeugen stärker.
Wenn ein Arzt über einen Diätplan redet wird man ihm mehr vertrauen
als einem Lehrer/Banker. Ein Doktortitel hat in Deutschland nach wie vor
einen hohen Stellenwert für die Überzeugungskraft einer Rede.
5. Ähnlichkeit
zum Publikum

Ein Redner sollte Ähnlichkeiten mit dem Publikum haben oder umgekehrt
nicht zu stark von der Zielgruppe abweichen. Eine klassische Rockband
würde beim Musikantenstadl nur Buhrufe ernten, eine bayrischen Trachtengruppen
wird nicht vom jedem Jugendlichen geschätzt.
Je mehr Ähnlichkeiten ein Redner zum Publikum aufbauen kann, umso
glaubwürdiger und sympathischer wird er eingeschätzt. Auch wenn
der Redner bestimmte Grundwerte und Einstellungen des Publikums verletzt
wird er schnell abgelehnt.
6. Gelassenheit

Ein Redner sollte eine gewisse Ruhe, Gelassenheit und Sicherheit ausstrahlen.
Menschen wollen Menschen, die ihnen Sicherheit geben. Wenn man als Redner
selbst Unsicherheit ausstrahlt, sinkt die Glaubwürdigkeit beim Publikum.
Versuchen Sie ein hohes Maß an Sicherheit auszustrahlen und Sie
zeigen auch die Sicherheit im Thema.
7. Kontakt zum Publikum

Nur wer als Redner einen guten Kontakt zum Publikum aufbauen kann, wird
von ihm geschätzt. Kontaktaufbau heißt, auch einen guten Blickkontakt
aufzubauen und auf die Anliegen und Fragen des Publikums einzugehen. Es
heißt auch, die Sprache des Publikums zu sprechen und die Herzen
zu bewegen.
8. Emotionalität

Selbst Emotionen zu zeigen ist ein wichtiger Faktor persönlicher
Überzeugungskraft. Menschen wollen auch Emotionen mitbekommen. Sie
wollen Freude und auch Ärger miterleben. Dies macht eine Rede plastisch
und lebendig. Voraussetzung ist hier natürlich, dass mit dem Thema
auch Emotionen verbunden und in Erinnerung gerufen werden.
Emotionen sind bei einer Rede das Salz in der Suppe.
9. Wertschätzung

Nur wer sein Publikum auch schätzt kann andere überzeugen. Wer
als Redner Arroganz oder Missachtung zeigt, wird schnell abgelehnt. Redner,
die ihr Publikum abwerten, werden nie die volle Sympathie erhalten auch
wenn sie fachlich überzeugen. Wertschätzung dem Publikum zu
zeigen beinhaltet auch, eine positive Grundstimmung auszustrahlen.
Autor: Ingo Th. Krawiec, Krawiec Consulting
Diese
Monatstipps könnten Sie auch interessieren:

Monatstipp: Besprechungskulturen
Monatstipp:
Umgang mit Kritik
Monatstipp:
Argumentieren
Monatstipp:
Umgang mit Angriffen
Monatstipp:
Rhetorik
Monatstipp:
Der Start einer Präsentation
Durchschnittliche
Leserbewertung: sehr gut
Zahl der Leser: 2 |