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"Gebrauche deine Macht wie ein paar
Zügel, nicht wie eine Peitsche."
(Mongolisches
Sprichwort)
"Ohne Macht ist nichts zu machen."
(Edmund
Stoiber)
Jeder, der in Organisationen oder Unternehmen
arbeitet, muss sich mit Macht und Mächtigen auseinandersetzen oder
selber Macht einsetzen. Macht hat derjenige in einer Beziehung, der die
Verhaltensweisen seines gegenüber in einem stärkeren Maß
beeinflussen kann. Oder kurz: Wer stärker Kontrolle auf den anderen
ausüben kann, ist der Mächtigere. In der Regel sind dies unsere
Vorgesetzten oder wir selbst als Führungskraft. Wie mächtig
eine Person ist, hängt immer auch davon ab, wie viel Macht man einer
Person zugesteht. Der Kinderspruch "Lieber Gott gibt doch zu, dass
ich schlauer bin wie Du." signalisiert, sobald man sich selbst über
andere definiert, ist man abhängig.
Wer Macht hat, kann
andere beeinflussen. Führ-ungskräften stehen verschiedene Machtquellen
(French, Raven) zur Verfügung:
1. Macht durch Belohnung

Derjenige, der in Beziehungen Belohnungen in Aussicht stellen kann, hat
Macht. Typische Belohnungsstrategien sind Lohnerhöhungen, Karriere
oder Fördermaßnahmen. Wenn die Belohnung auf Dauer versagt
wird, ist Demoti-vation die Folge.
2. Macht durch Bestrafung

Durch das Durchsetzen von Verhaltensweisen wie Abmah-
nung, Versetzung, Entlassung oder Lohnabzug wird Druck auf den Mitarbeiter
ausgeübt.
3. Macht durch Persönlichkeit
und Beziehung

Dadurch, dass der Vorgesetzte von den Mitarbeitern sehr geschätzt
wird und sie sich mit dem Vorgesetzten identi-fizieren und ihm gefallen
möchten, hat er Einfluss auf die Mitarbeiter.
4. Expertenmacht

Der Vorgesetzte hat ein detaillierteres Fachwissen und verfügt über
spezifische Fähigkeiten. Je höher der Wissens- und Fähigkeitsvorsprung,
um so größer ist die Macht. Menschen mit Expertise wird vertraut.
5. Legitimationsmacht

Hierarchien werden von den Mitarbeitern akzeptiert und anerkannt. Aus
einer gewissen Position ergeben sich Be-
einflussungsmöglichkeiten, soweit diese Position von den anderen
akzeptiert wird.
6. Informationsmacht

Durch einen Informationsvorsprung kann der Vorgesetzte Macht ausüben.
Hier gilt die alte Weisheit "Wissen ist Macht". Macht kann hier
auch durch überzeugende Argu-
mente ausgeübt werden.
Je nachdem mit welcher Unternehmenskultur und mit wel-chen Mitarbeitern
es der Vorgesetzte zu tun hat, wird die eine oder andere Machtquelle eingesetzt.
Im Grunde setzt jeder mehr oder minder Macht ein, um andere zu beein-flussen.
Wenn wir versuchen jemand durch Argumente zu überzeugen, setzten
wir unsere Inormationsmacht ein.

Wenn wir jemanden nach etwas fragen, wird der andere es uns geben, je
nachdem welche Persönlichkeitsmacht wir haben. Jeder Verkäufer
setzt mehr oder weniger Macht ein, um etwas zu verkaufen. Wenn der Kunde
auch etwas davon hat, ist dies auch in Ordnung.

Es ist also nützlich Macht zu nutzen, wenn wir etwas errei-chen wollen.

Manchmal eröffnen wir ein sogenanntes Machtspiel (Power Play), welches
dann immer in einen eindeutigen Gewinner und Verlierer mündet. Wir
nutzen Machtspiele, wenn wir etwas erreichen wollen und wir vermuten,
dass der andere dies nicht freiwillig tut.

Es wird nicht versucht, durch Fragen und Argumentation etwas zu erreichen,
sondern es wird in Richtung Macht-kampf gespielt. Ein typisches Machtspiel
ist das "Alles-oder-nichts-Spiel". Angestellte spielen dies,
wenn Sie mehr Geld wollen, nach dem Motto "Wenn ich nicht mehr Geld
bekomme, kündige ich". Eheleute spielen dies nach dem Motto
"Wenn du nicht dies und jenes tust, verlasse ich dich". Dies
wird auch als die "Love-or-Leave-me"- Variante gespielt. Chefs
konfrontieren Mitarbeiter "Wenn Sie nicht Ihre Aufgabe korrekt erledigen,
dürfen Sie gehen". Solche Spiele hinterlassen immer einen bitteren
Beigeschmack, da der andere häufig ein Verlierer wird, welcher später
versucht, selber wieder ein Gewinner zu sein. Machtspiele versuchen die
andere Person zu eigenen Zwecken unterzuordnen. Voraussetzung für
ein "Alles-oder-nichts-Spiel" ist, dass der Machtspieler ein
knappes Gut (Geld, Status, Anerkennung usw.) hat, welches wir unbedingt
benötigen.
Was kann man tun, wenn jemand ein unfaires
Machtspiel mit uns beginnt oder Macht unange-messen einsetzt?
1. Neutralisiere das Machtspiel und kooperiere!

Machtspiele ziehen häufig einen Rüstungswettlauf nach sich.
Durch die Neutralisation durch-kreuzen wir das Machtspiel unseres Gegen-
übers, indem wir bereit sind, auf das Gut, was uns der andere bietet
zu verzichten: "Ich schätze Ihr Produkt (oder Arbeit, Anwesenheit),
bin aber nicht darauf angewiesen."

Wir steigen aus dem Machtspiel dadurch aus, dass wir bereit sind, auf
eigene Ziele, Wünsche und Erwartungen zu verzichten. Somit wird die
Macht des anderen neutralisiert. Danach können wir wieder ein normales
Gespräch führen.

Wenn uns unser Chef mit der Kündigung droht, antworten wir ihm, dass
wir die Arbeit sehr schätzen, aber wenn nichts mehr hilft, wir tatsächlich
gehen. Jedoch signalisi-
eren wir unsere Bereitschaft zum Gespräch.

Weiterhin können wir aus dem Machtsspiel aussteigen, indem wir es
zum Thema machen: "Herr Meier, ich finde es im Moment nicht hilfreich,
wenn wir nur über eine Alles-oder-nichts-Alternative nachdenken,
lassen sie uns nochmals neu ins Gespräch kommen."

Natürlich kann man ein Machtspiele nur neutralisieren, wenn man eine
Position der Unabhängigkeit erreichen kann.

Manchmal kann es hilfreich sein, sich in einem Machtspiel eine Auszeit
zu nehmen, um über die Situation nachzu-
denken. Ein einfaches Stopp! unterbricht die meisten Machtspiele.
2. Spiele besser!

Manchmal mag es sinnvoll sein, einen kämpferischen Ge-genzug
zu unternehmen und in die Eskalation eines Macht-spieles zu gehen. In
den meisten Fällen lässt sich ein Machtspiel neutralisieren
und es ist möglich zu kooperie-ren.

Wenn jedoch alles nicht hilft, müssen wir in das Gewinner-Verlierer-Spiel
einsteigen und versuchen, dieses Spiel zu gewinnen.

Wenn es in manchen Ländern keinen Krieg gegen die Diktatoren gegeben
hätte, gäbe es immer noch so manche Diktatur.
3. Gebe nach!

Je nachdem, wie stark die andere Partei ist, kann es unter Umständen
auch sinnvoll sein, nachzugeben.

Wenn in einer U-Bahn ein Dieb vor uns steht, uns mit einer Magnum bedroht
und den typischen Satz sagt "Geld oder Leben", dann kann es
durchaus zweckmäßig sein, bei diesem Machtspiel nachzugeben.
Macht ist nicht an sich gut oder schlecht. Es hängt davon ab, wie
Macht eingesetzt wird. Man kann nicht nicht Macht einsetzen.
Je nachdem, wie wir Macht gebrauchen, wird sie mit Mani-pulation, Ausbeutung
und Gewalt oder mit Selbstbehaup-
tung, Kraft und Lebendigkeit assoziiert.
Literatur: Claude Steiner, Macht ohne Ausbeutung, 1998
Autor: Ingo TKrawiec, Krawiec Consulting
Durchschnittliche
Leserbewertung: gut
Zahl der Leser: 19
Kundenkommentare:
NachrichtenTyp: Sehr gut
Kommentare: Mir hat der Artikel sehr gut gefallen! Ich brauchte nämlich
für meinen Politik GK einen Artikel über "Macht".
Dieser war dazu sehr hilfreich!!!
Formulareintraege vom Dienstag, 21 August,
2001 um 16:49:58
NachrichtenTyp: schlecht
Kommentare: um gottes willen...das war zum erbrechen
Formulareintraege vom Freitag, 28 September,
2001 um 09:55:40
NachrichtenTyp: mittel
Kommentare: der theoretische hintergrund fehlt...
Formulareintraege vom Montag, 22 Oktober,
2001 um 14:01:40
NachrichtenTyp: Sehr gut
Kommentare: Klare kurze Definition, die mir gut gefallen und bei meiner
Arbeit weitergeholfen hat.
Formulareintraege vom Donnerstag, 23 Mai,
2002 um 08:59:43
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