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"Sage es mir - Ich werde es vergessen!
Erkläre es mir - Ich werde mich erinnern!
Lass es mich selber tun - Ich werde verstehen!"
(Konfuzius)
Viele Trainer gehen immer noch davon aus,
dass ihre Teilnehmer ein "Nürnberger Trichter" sind, in
den man die Inhalte hineinschüttet und diese dann irgendwie haften
bleiben. Wenn man ein Bildungs- Controlling bei Fach- oder IT-Trainings
durch- führen würde, könnte man feststellen, dass viele
Inhalte bei den Teilnehmern einfach nicht haften geblieben sind. Eine
Ursache hierfür ist, dass bestimmte lernpsychologische Regeln nicht
be- achtet worden sind. Der Mensch ist keine Maschine. Es bedarf einiger
Anstrengung, um Inhalte wirklich zu verankern. Effektives Vermitteln beinhaltet,
dass die Seminarzeit sinnvoll genutzt wird und die Teilnehmer für
ihre Praxis etwas mitnehmen.
Welche lernpsychologischen Erkenntnisse helfen
bei der Vermittlung von Inhalten?
1. Inhalte im Langzeitgedächtnis verankern

Das menschliche Gedächtnis funktioniert
in einer ganz bestimmten Weise. Zunächst werden Informationen ins
Ultrakurzzeitgedächtnis aufgenommen. Hier verbleiben Sie ca. 1 Sekunde.
Dann werden die wichtigen Informationen ins Kurzzeitgedächtnis übernommen,
hier bleiben diese ca. 1-2 Minuten. Erst dann werden die Inhalte ins Langzeit-
gedächtnis übernommnen, wo sie dann dauerhaft bleiben können.

Konsequenzen fürs
Training

Zunächst
muss die volle Aufmerksamkeit der Teilnehmer für die Inhalte vorhanden
sein, damit die Information überhaupt ins Ultrakurzzeitgedächtnis
kommen kann. Versuchen Sie, bei Ihren Teilnehmern Interesse für die
Inhalte zu wecken. Schalten Sie Störungen im Training aus. Konzentration
ist gerichtete Aufmerksamkeit. Das bedeutet, dass man sich dem, was man
gerade tut, ganz und ausschließlich widmet. Bei Inhalten, die man
als fesselnd und angenehm empfindet, fällt das nicht schwer. Scheint
der Lernstoff dagegen von geringer Bedeutung für den Teilnehmer,
schweifen die Gedanken gerne ab, und jedes andere Angebot ist attraktiver.
Um
die Verankerung ins Langzeitgedächtnis zu
erreichen, sollte eine aktive und bewusste Aus-
einandersetzung der Teilnehmer mit den Inhalten
erfolgen. Das Gedächtnis ist kein passiver Informations-
speicher, welcher alle Inhalte passiv aufnimmt. Viele
Inhalte sind schon nach wenigen Minuten verloren.
2. Die Haftwirkung ist abhängig von der
Vermittlungsmethode

Die Informationsaufnahme ist umso besser, je
mehr Sinnesorgane an der Speicherung der Inhalte beteiligt sind. Dies
veranschaulicht folgende Abbildung.
Man behält:

beim Vortrag (nur Hören)
ca. 20 %
bei reinen Visualisierungen (nur Sehen)
ca. 30 %
Vortrag und Bilder = Präsentation (Hören + Sehen)
ca. 50 %
Nacherzählen und aktive Bearbeitung
ca. 70 %
Selbstständiges Tun
ca. 90 %

Konsequenzen fürs Training

Nutzen
Sie bei einem Input immer sinnvolle
Visualisierungen.
Schieben
Sie im Training immer aktive
Bearbeitungsphasen ein.
Lassen
Sie die Teilnehmer, die zu lernenden Dinge
möglichst selbstständig durchführen.
4. Die Vergessenskurve nach Ebbinghaus

Die Vergessenskurve drückt eine Selbstverständlichkeit aus.
Inhalte werden nach einem längeren Zeitraum vergessen, es sei denn,
diese sind echt verankert worden.
Wer kann sich schon an den kompletten Lernstoff aus der Schulzeit erinnern.

Konsequenzen fürs Training

Setzen
Sie gezielt Wiederholungen ein. Diese helfen, die Dinge besser zu behalten.
Versuchen
Sie Merkhilfen anzubieten oder Dinge zu verankern.
5. Versuchen Sie, die Inhalte an positive Emotionen
zu koppeln

Emotional positive Lerninhalte werden meist länger behalten als
emotional negative. Negative Inhalte werden wiederum länger behalten
werden als emotional neutrale. (Peters-Prinzip).
Konsequenzen fürs Training

Versuchen
Sie, die Inhalte mit positiven Emotionen zu koppeln.
Schaffen
Sie eine gute Lernatmosphäre, wo das Lernen Spaß macht und
die Inhalte in positiver Erinnerung bleiben.
6. Modelllernen

Das Lernen am Modell nach Bandura bezeichnet einen Lernprozess, der
vorliegt, wenn ein Lernender als Folge der Beobachtung des Verhaltens
eines Modells sich neue Verhaltensweisen aneignet oder schon bestehende
Verhaltensmuster weitgehend verändert.
Sie kennen dieses Lernen von Kindern, die ihre Eltern häufig imitieren.
Konsequenzen fürs Training

Seien
Sie als Trainer Vorbild für die Teilnehmer
Zeigen
Sie positive Modelle auf, wie das zu lernende Verhalten
aussehen sollte.
7. Machen Sie Pausen und präsentieren Sie
Portionen

Generell ist das Lernen in "bekömmlichen Häppchen"
ein wichtiger Grundsatz für die erfolgreiche Vermittlung. Der Trainer
bereitet in diesem Sinne den Stoff vor und sucht zugleich nach verschiedenen
Übungsformen, um Monotonie zu vermeiden. Ein Input
sollte nicht länger als 30 Minuten dauern, danach muss eine andere
Arbeitsform gewählt werden. Der Vorsatz von manchen Trainern, möglichst
viel
zu vermitteln, ist zwar löblich, sollte aber auf keinem Fall "am
Stück" erfolgen. Spätestens nach einer Trainingszeit von
max. zwei Stunden kann nichts mehr aufgenommen werden.
Dann sollte eine Pause eingelegt werden.
Konsequenzen fürs Training

Legen
Sie alle 1 ½ -Stunden eine Pause ein.
Vermitteln
Sie die Inhalte in kleinen Portionen
8. Merkhilfen anbieten

Mit Eselsbrücken kann man manch Schwieriges im Gedächtnis
verankern, wie jeder weiß. Eselsbrücken können gemeinsam
im Training gefunden oder erfunden werden.
Dasselbe gilt für Merksätze, die prägnant und vor allem
kurz sein sollen. Wenn sie
sich dann noch reimen, umso besser. Bereiten Sie die Inhalte merkfähig
auf.
Konsequenzen fürs Training

Versuchen
Sie, den Teilnehmern Eselsbrücken Merkhilfen und Merksätze zu
bieten.
9. Lernerfolge vermitteln
und Motivation schaffen

Erfolg schafft Erfolg, ist eine alte Weisheit. Motivation für die
Inhalte im Training ist Grundvoraussetzung für das Lernen. Erst wenn
man weiß, wofür man etwas braucht, ist Interesse für die
Sache da. Wenn dann der Lernerfolg da ist, schafft dies Optimismus und
neue Motivation.

Konsequenzen fürs Training

Bieten
Sie den Teilnehmern von Zeit zu Zeit Lernerfolge.
10. Induktives und deduktives Lernen

Beim deduktiven Lernen (Lernen des Speziellen aus dem Allgemeinen)
wird mit einer allgemeinen Einführung in ein Thema begonnen und zunächst
allgemeine Begriffe und Gesetzmäßigkeiten erläutert. Erst
wenn die allgemeinen Zusammenhänge deutlich sind, werden spezielle
Beispiele gegeben.
Beim induktiven Lernen hingegen (Lernen des Allgemeinen aus dem Speziellen)
wird bei einem Praxisproblem oder Praxisbeispiel gestartet und dann die
Verallgemeinerung bzw. Theorie abgeleitet.
Teilnehmer sind enorm leistungsfähig beim induktiven Lernen, wenn
das notwendige Grundwissen bekannt ist. Auch ist hier ein höheres
Maß an Praxisnähe vorhanden. Aus diesem Grund ist es stets
vorteilhaft, das Lehren möglichst stark auf induktives Lernen zu
stützen
Konsequenzen fürs Training

Starten
Sie mit Praxisproblemen und Praxisbeispielen und koppeln Sie hier die
Wissensinhalte an.
Autor:
Ingo Th. Krawiec, Krawiec Consulting
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