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Artikel Nr.: 57
 
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"Sage es mir - Ich werde es vergessen!
Erkläre es mir - Ich werde mich erinnern!
Lass es mich selber tun - Ich werde verstehen!"

(Konfuzius)


Viele Trainer gehen immer noch davon aus, dass ihre Teilnehmer ein "Nürnberger Trichter" sind, in den man die Inhalte hineinschüttet und diese dann irgendwie haften bleiben. Wenn man ein Bildungs- Controlling bei Fach- oder IT-Trainings durch- führen würde, könnte man feststellen, dass viele Inhalte bei den Teilnehmern einfach nicht haften geblieben sind. Eine Ursache hierfür ist, dass bestimmte lernpsychologische Regeln nicht be- achtet worden sind. Der Mensch ist keine Maschine. Es bedarf einiger Anstrengung, um Inhalte wirklich zu verankern. Effektives Vermitteln beinhaltet, dass die Seminarzeit sinnvoll genutzt wird und die Teilnehmer für ihre Praxis etwas mitnehmen.


Welche lernpsychologischen Erkenntnisse helfen bei der Vermittlung von Inhalten?

1. Inhalte im Langzeitgedächtnis verankern

Das menschliche Gedächtnis funktioniert in einer ganz bestimmten Weise. Zunächst werden Informationen ins Ultrakurzzeitgedächtnis aufgenommen. Hier verbleiben Sie ca. 1 Sekunde. Dann werden die wichtigen Informationen ins Kurzzeitgedächtnis übernommen, hier bleiben diese ca. 1-2 Minuten. Erst dann werden die Inhalte ins Langzeit- gedächtnis übernommnen, wo sie dann dauerhaft bleiben können.

Konsequenzen fürs Training

Zunächst muss die volle Aufmerksamkeit der Teilnehmer für die Inhalte vorhanden sein, damit die Information überhaupt ins Ultrakurzzeitgedächtnis kommen kann. Versuchen Sie, bei Ihren Teilnehmern Interesse für die Inhalte zu wecken. Schalten Sie Störungen im Training aus. Konzentration ist gerichtete Aufmerksamkeit. Das bedeutet, dass man sich dem, was man gerade tut, ganz und ausschließlich widmet. Bei Inhalten, die man als fesselnd und angenehm empfindet, fällt das nicht schwer. Scheint der Lernstoff dagegen von geringer Bedeutung für den Teilnehmer, schweifen die Gedanken gerne ab, und jedes andere Angebot ist attraktiver.

Um die Verankerung ins Langzeitgedächtnis zu
erreichen, sollte eine aktive und bewusste Aus-
einandersetzung der Teilnehmer mit den Inhalten
erfolgen. Das Gedächtnis ist kein passiver Informations-
speicher, welcher alle Inhalte passiv aufnimmt. Viele
Inhalte sind schon nach wenigen Minuten verloren.


2. Die Haftwirkung ist abhängig von der Vermittlungsmethode

Die Informationsaufnahme ist umso besser, je mehr Sinnesorgane an der Speicherung der Inhalte beteiligt sind. Dies veranschaulicht folgende Abbildung.

Man behält:

beim Vortrag (nur Hören)
ca. 20 %
bei reinen Visualisierungen (nur Sehen)
ca. 30 %
Vortrag und Bilder = Präsentation (Hören + Sehen)
ca. 50 %
Nacherzählen und aktive Bearbeitung
ca. 70 %
Selbstständiges Tun
ca. 90 %

Konsequenzen fürs Training

Nutzen Sie bei einem Input immer sinnvolle
Visualisierungen.
Schieben Sie im Training immer aktive
Bearbeitungsphasen ein.
Lassen Sie die Teilnehmer, die zu lernenden Dinge
möglichst selbstständig durchführen.


4. Die Vergessenskurve nach Ebbinghaus

Die Vergessenskurve drückt eine Selbstverständlichkeit aus. Inhalte werden nach einem längeren Zeitraum vergessen, es sei denn, diese sind echt verankert worden.
Wer kann sich schon an den kompletten Lernstoff aus der Schulzeit erinnern.

Konsequenzen fürs Training

Setzen Sie gezielt Wiederholungen ein. Diese helfen, die Dinge besser zu behalten.
Versuchen Sie Merkhilfen anzubieten oder Dinge zu verankern.


5. Versuchen Sie, die Inhalte an positive Emotionen zu koppeln

Emotional positive Lerninhalte werden meist länger behalten als emotional negative. Negative Inhalte werden wiederum länger behalten werden als emotional neutrale. (Peters-Prinzip).

Konsequenzen fürs Training

Versuchen Sie, die Inhalte mit positiven Emotionen zu koppeln.
Schaffen Sie eine gute Lernatmosphäre, wo das Lernen Spaß macht und die Inhalte in positiver Erinnerung bleiben.



6. Modelllernen

Das Lernen am Modell nach Bandura bezeichnet einen Lernprozess, der vorliegt, wenn ein Lernender als Folge der Beobachtung des Verhaltens eines Modells sich neue Verhaltensweisen aneignet oder schon bestehende Verhaltensmuster weitgehend verändert.
Sie kennen dieses Lernen von Kindern, die ihre Eltern häufig imitieren.

Konsequenzen fürs Training

Seien Sie als Trainer Vorbild für die Teilnehmer
Zeigen Sie positive Modelle auf, wie das zu lernende Verhalten aussehen sollte.


7. Machen Sie Pausen und präsentieren Sie Portionen

Generell ist das Lernen in "bekömmlichen Häppchen" ein wichtiger Grundsatz für die erfolgreiche Vermittlung. Der Trainer bereitet in diesem Sinne den Stoff vor und sucht zugleich nach verschiedenen Übungsformen, um Monotonie zu vermeiden. Ein Input
sollte nicht länger als 30 Minuten dauern, danach muss eine andere Arbeitsform gewählt werden. Der Vorsatz von manchen Trainern, möglichst viel
zu vermitteln, ist zwar löblich, sollte aber auf keinem Fall "am Stück" erfolgen. Spätestens nach einer Trainingszeit von max. zwei Stunden kann nichts mehr aufgenommen werden.
Dann sollte eine Pause eingelegt werden.

Konsequenzen fürs Training

Legen Sie alle 1 ½ -Stunden eine Pause ein.
Vermitteln Sie die Inhalte in kleinen Portionen



8. Merkhilfen anbieten

Mit Eselsbrücken kann man manch Schwieriges im Gedächtnis verankern, wie jeder weiß. Eselsbrücken können gemeinsam im Training gefunden oder erfunden werden.
Dasselbe gilt für Merksätze, die prägnant und vor allem kurz sein sollen. Wenn sie
sich dann noch reimen, umso besser. Bereiten Sie die Inhalte merkfähig auf.

Konsequenzen fürs Training

Versuchen Sie, den Teilnehmern Eselsbrücken Merkhilfen und Merksätze zu bieten.


9. Lernerfolge vermitteln und Motivation schaffen

Erfolg schafft Erfolg, ist eine alte Weisheit. Motivation für die Inhalte im Training ist Grundvoraussetzung für das Lernen. Erst wenn man weiß, wofür man etwas braucht, ist Interesse für die Sache da. Wenn dann der Lernerfolg da ist, schafft dies Optimismus und neue Motivation.

Konsequenzen fürs Training

Bieten Sie den Teilnehmern von Zeit zu Zeit Lernerfolge.


10. Induktives und deduktives Lernen

Beim deduktiven Lernen (Lernen des Speziellen aus dem Allgemeinen) wird mit einer allgemeinen Einführung in ein Thema begonnen und zunächst allgemeine Begriffe und Gesetzmäßigkeiten erläutert. Erst wenn die allgemeinen Zusammenhänge deutlich sind, werden spezielle Beispiele gegeben.
Beim induktiven Lernen hingegen (Lernen des Allgemeinen aus dem Speziellen) wird bei einem Praxisproblem oder Praxisbeispiel gestartet und dann die Verallgemeinerung bzw. Theorie abgeleitet.
Teilnehmer sind enorm leistungsfähig beim induktiven Lernen, wenn das notwendige Grundwissen bekannt ist. Auch ist hier ein höheres Maß an Praxisnähe vorhanden. Aus diesem Grund ist es stets vorteilhaft, das Lehren möglichst stark auf induktives Lernen zu stützen

Konsequenzen fürs Training

Starten Sie mit Praxisproblemen und Praxisbeispielen und koppeln Sie hier die Wissensinhalte an.

Autor: Ingo Th. Krawiec, Krawiec Consulting



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