|
"Alles ist im Fluss."
(Heraklit)
Wenn das Seminargeschehen in vollem Gange
ist, ist es notwenig, von Zeit zu Zeit darauf zu achten, wie der Seminar-
bzw. Lernprozess verläuft. Der Lernprozess ist der Weg zum Seminarziel.
Dieser kann geradlinig und zielgerichtet, aber manchmal auch holprig sein
und Nebenwege beschreiten. Da Training immer in Gruppen stattfindet und
Gruppen aus Menschen bestehen, lässt sich ein Training nicht hundertprozentig
planen. Gruppendynamische Prozesse beeinflussen wesentlich das Lernklima,
die Lernfähigkeit der Teilnehmer und schließlich den gesamten
Lernerfolg. Erst wenn mögliche Störungen beseitigt sind, ist
der Kopf frei für das eigentliche Thema.
Viele Trainer konzentrieren sich bei Seminaren hauptsächlich
auf die Inhalte und deren Vermittlung. Mindestens genauso wichtig wie
die Inhalte, ist jedoch die Gruppe als Ganzes und der Einzelne in der
Gruppe.
Sich gegen Ende des Seminars Gedanken zu dessen Verlauf zu machen, ist
unter Umständen schon viel zu spät, da man keinen Einfluss mehr
nehmen kann. Daher ist es wichtig, sich regelmäßig mit dem
Seminarprozess zu beschäftigen und sich auch zwischendurch Rückmeldungen
bei den Teilnehmern zu holen.
In Trainingszusammenhängen lassen sich
drei Arten von Lernprozessen unterscheiden.
a) Der inhaltliche Prozess

Dieser bezeichnet, wie man selbst mit den Inhalten
vorankommt und welche Themen für die Gruppe ganz besonders wichtig
sind bzw. im Vordergrund stehen. Einzelne Lernmodule müssen verständlich
vermittelt werden. Auch wenn das Seminarthema feststeht, können neue
Interessen und Bedürfnisse bezüglich der Inhalte von den Teilnehmern
kommen. Als Trainer ist es wichtig, immer die Inhalte im Auge zu behalten,
um Teile davon eventuell zu kürzen oder herauszunehmen und vielleicht
andere hinzuzunehmen oder zu vertiefen. Als Trainer benötigt man
eine hohe inhaltliche Flexibilität, um zielgerichtet auf die Teilnehmerbedürfnisse
einzugehen. Um jedoch diese Flexibilität zu erreichen, braucht es
auch eine gewisse Erfahrung mit den Inhalten.
b) Der Gruppenprozess

Der Gruppenprozess beschreibt, was gerade in
der Gruppe vorgeht oder sich entwickelt. Lernen findet immer auch in der
Gruppe statt. Die Gruppenstimmung und die Gruppenentwicklung beeinflussen
das Lernen. Jeder Trainer hat selbst schon die Erfahrung gemacht, dass
den Teilnehmern das Lernen in einer intakten Gruppe leichter fällt.
Und umgekehrt, wenn es Konflikte in der Gruppe gibt, fällt den Teilnehmern
das Lernen schwerer, es entstehen Lernblockaden und für den Trainer
kann das Training zäh und unbefriedigend werden. Auch die individuelle
Seminarzufriedenheit wird stark von der Gruppenatmosphäre beeinflusst.
Somit hat jeder Trainer die Aufgabe, zunächst eine offene Lernatmosphäre
und Arbeitsfähigkeit zu entwickeln, damit das Lernen auch funktioniert.
Wenn diese positive Gruppenatmosphäre hergestellt ist, muss der Trainer
darauf achten, dass diese erhalten bleibt oder weiter gefördert wird.
Wenn beispielsweise die Gruppenstimmung am Boden ist, sollte der Trainer
versuchen, durch ein klärendes Gespräch oder eine Übung
diese zu beeinflussen. Wobei in einem Seminar nicht immer und zu jeder
Zeit eine gute Stimmung herrschen muss. Auch schlechte Stimmung gehört
zum Leben und Lernen und damit zu einem Seminar. Jedoch kann der Trainer
die Stimmung beeinflussen.
c) Der individuelle Lernprozess

Jede Gruppe besteht aus Individuen, die ihre
persönliche Lerngeschwindigkeit haben und unterschiedliche Lernerfahrungen
gemacht haben. Beim individuellen Lernprozess fragt sich der Trainer,
wie einzelne in der Gruppe vorankommen bzw. wie es einzelnen in der Gruppe
geht. Manche Teilnehmer müssen im Lernprozess individuell gefördert
oder unterstützt werden. Deswegen ist es immer wieder wichtig auch
jeden einzelnen Teilnehmer im Auge zu behalten und auf jeden individuell
einzugehen.
Alle drei Lernprozesse muss der Trainer beachten und diese auch gestalten.
Fast nach jedem Trainingsabschnitt ist es wichtig, sich zu fragen, wie
diese drei Prozesse gerade laufen und diese Einschätzung mit in die
Seminarplanung einfließen zu lassen. Der Trainer führt, wie
ein Arzt, zunächst eine Diagnose durch und je nachdem, wie die Ist-Situation
ist, plant er die nächsten Schritte. Wenn man die drei Lernprozesse
berücksichtigt, muss man zwangsläufig eine rollende Seminarplanung
oder prozessorientierte Seminargestaltung durchführen. Feste Seminarablaufpläne
sind gut für die Seminarvorbereitung. Verändern sich die Seminarprozesse
jedoch stark, ist es natürlich sinnvoll, auch von den eigenen Plänen
abweichen zu können. Je weiter man im Seminarprozess fortgeschritten
ist, desto stärker kann man die Teilnehmer in die Planung einbeziehen,
was zu einer höheren Verantwortlichkeit und Selbststeuerung der Gruppe
führt.
Fragen für die Prozessreflexion
Für eine Diagnose des Seminarprozesses ("Prozessreflexion")
sind folgende Fragen hilfreich:
a) Der inhaltliche Prozess

" Wie kommt man mit den Inhalten voran?
" Welche neuen Themen sind aufgetaucht, die besprochen werden sollten?
" Wo liegen Lernwünsche und Lernbedürfnisse?
" Bei welchen Themen ist wenig Interesse vorhanden?
" Welche Themen müssen unbedingt behandelt oder vertieft werden?
" Können Themen gekürzt oder vertieft werden?
" Kann der Zeitrahmen eingehalten werden?
" Müssen die Inhalte mit den Teilnehmern neu abgestimmt werden?
b) Der Gruppenprozess

" Ist die Gruppe arbeitsfähig?
" Welche Motivation bringt die Gruppe mit?
" Wie entwickelt sich die Gruppe?
" Wie ist die Gruppenstimmung?
" Ist eine offene Lernatmosphäre vorhanden?
" Gibt es verdeckte oder offene Konflikte in der Gruppe?
" Gibt es irgendwelche Störungen in der Gruppe?
" Wie ist mein Verhältnis als Trainer zu der Gruppe bzw. zu
Einzelnen in der Gruppe?
" Wie kann die Gruppenentwicklung weiter gefördert werden?
" Muss die Gruppendynamik der Gruppe als Thema bearbeitet werden?
c) Der individuelle Lernprozess

" Wie geht es Einzelnen in der Gruppe?
" Wie steht es um die Lernfähigkeit und Lernbereitschaft der
Einzelnen?
" Welche Teilnehmer müssen besonders gestützt oder gefördert
werden?
" Müssen mit Einzelnen Sondervereinbarungen getroffen werden?
" Wie verläuft das Lernen jedes Einzelnen?
Autor:
Ingo Th. Krawiec, Krawiec Consulting
Diese Seiten könnten Sie auch interessieren:
Monatstipp: Sünden
im EDV-Training
Monatstipp:
Tipps
für Beamer-Präsentationen
Monatstipp:
Der Start
einer Präsentation
Monatstipp:
Das 1x1 der Rhetorik
Monatstipp:
Flipcharts effektiv
einsetzen
Monatstipp:
Umgang
mit Lampenfieber

Monatszitate: Trainer
(8)

Inhouse-Seminar: Train
the IT-Trainer
Offenes
Seminar: Train
the Trainer-Grundkurs
Offenes
Seminar: Train
the Trainer- Aufbaukurs
Durchschnittliche
Leserbewertung: sehr gut
Zahl der Leser: 2 |