|

|
"Die ganze Kunst der so schwierigen
Menschenführung besteht darin, seine Untergebenen so zu behandeln,
wie man selbst von seinem Vorgesetzten behandelt werden möchte."
(Richard Nixon)
Das Thema Führung ist so alt, wie die Menschheits- geschichte. Vieles
zum Thema Führung ist schon in den 70er-Jahren gesagt worden und
häufig gilt das Motto "Es gibt nichts, was nicht schon einmal
gesagt worden ist.
Trotzdem möchte ich hier ein paar neuere Entwicklungen und Einsichten
reflektieren, die nicht schon in den duzenden Büchern über Führung
gesagt worden sind.Sicher ist auch, dass Führung in der gegenwärtigen
Zeit schwieriger und komplexer geworden ist. Stichworte wie Globalisierung,
Kostendruck, Wettbewerb und Outsourcing sind den meisten bekannt. In der
gegenwärtigen Zeit muss sich fast jeder Wirtschaftsbereich einem
zunehmenden Wettbewerb stellen und die Belastungen für Führungskräfte
nehmen zu.
Gleichzeitig wird auch an der Qualifizierung und Förderung von Führungskräften
häufig gespart, was aus meiner Sicht ein Fehler ist, da nur professionelle
Führungskräfte ein professionelles Team formen können.
Man kann kein Formel 1-Rennen gewinnen, wenn an Technik, Training und
Wartung gespart wird. Führungskräfte sind wichtige Multiplikatoren,
die für den Erfolg, die Leistung, die Motivation und den Zusammenhalt
der Mannschaft mit- verantwortlich sind.
Jede Führungskräfteentwicklung ist gleichzeitig auch eine mögliche
Leistungsentwicklung der Mitarbeiter. Gerade im Bereich Mitarbeiterführung
können noch viele Schätze im Sinne von Effizienzsteigerung des
Unternehmens geborgen werden.
Die nachfolgend aufgeführten Entwicklungen, Ideen
und Thesen sind in den letzten Jahren durch eine Vielzahl von Gesprächen
und die Arbeit mit Führungskräften für mich deutlich geworden.
Mit geht es vor allem darum, hier neue Denkanstöße zu geben,
damit gerade das Thema Führung nicht einseitig verstanden wird.
1. Führen heißt in der gegenwärtigen
Zeit "Unternehmerisch Führen".

Gerade durch den Kostendruck werden mehr und mehr Aufgaben an die
Führungskraft herangetragen. Unternehmerisch Führen heißt
hier im Sinne des Unternehmens wie ein Unternehmer zu handeln. Gerade
das Runterbrechen von Budgets auf untere Führungs- ebenen führt
zu einer anderen Kostenverantwortung bei Führungskräften. Führungskräfte
müssen mehr den je Prozesse optimieren, Kosten einsparen und Veränderungs-
prozesse mittragen und dabei immer auch das Unternehmensinteresse im Auge
behalten. Genauso wie bei einem mittelständischen Unternehmen ist
die Leistung jedes Mitarbeiters wichtig, muss auch in Großunternehmen
die Führungskraft stärker eingreifen. Leistungsschwächere
einzelne Teammitglieder werden nicht mehr durch die anderen mitgetragen.
2. Die Leistung eines Teams ist wichtiger als das
Gruppenklima.

Das alte Modell von Blake und Mouton empfiehlt jeder Führungskraft
sowohl "mitarbeiterorientiert" als auch "zielorientiert"
zu sein. Dies hat auch nach wie vor seine Gültigkeit. Jedoch gibt
es in manchen Unternehmen mittlerweile eine gewisse "Bisshemmung"
bei Führungskräften. Die Trends in Richtung "Kooperative
Führung", Teamgeist, Mitarbeiterbefragung und 360-Grad-Feedback
(die auch positiv zu bewerten sind) haben dazu geführt, dass manche
Führungskräfte mehr das Augenmerk auf gutes Ankommen im Team
und gutes Arbeitsklima gerichtet haben und dabei die Leistung aus den
Augen verloren haben.
Teilweise gilt es schon als unkooperativ, wenn der Vorgesetzte mal seine
Gruppe, aus welchen Gründen auch immer, nicht in Entscheidungen einbezieht.
In manchen Teams herscht zwar nicht das beste Klima, sie bringen aber
trotzdem gute Leistung. Schlechte Leistung ist viel problematischer als
ein schlechtes Arbeitsklima. Sie kennen es vom Fußball: Wenn eine
Mannschaft nicht gewinnt, wird häufig die Trainerfrage gestellt.
Natürlich ist ein gutes Arbeitsklima wichtig. Ohne einen guten Arbeitsprozess,
kein gutes Arbeitsergebnis. Dies ist schon fast eine Binsenweisheit. Aber
gleichzeitig muss auch das Ergebnis stimmen. Es kann gerade in Zeiten
der Veränderung auch vorkommen, dass die Führungskraft von der
Mannschaft nicht "geliebt" wird und auch das ist eine wichtige
Realität. Auch wenn man ein gutes Arbeitsklima im Auge hat, kann
es kurzfristig vorkommen, dass auf dem Weg dorthin die Stimmung nicht
so gut ist. Dies geschieht besonders dann , wenn man wichtige Einschnitte
im Team vornehmen muss.
3. Ob kooperativer oder autoritärer Führungsstil
hängt von der Person und der Situation ab.

Dies ist zwar keine neue Erkenntnis, muss jedoch wieder neu in Erinnerung
gerufen werden. Manche Führungsleitbilder in manchen Unternehmen
legen einen bestimmten Führungsstil fest und tabuisieren andere Stile.
Wobei häufig gerade dieser Einführungsprozess autoritär
von oben verordnet wurde. Es kann nach wie vor in manchen Situationen
sinnvoll sein, klar zu sagen und zu begründen, wo es lang geht und
in anderen Situationen die Mitarbeiter einzubeziehen und mitentscheiden
zu lassen. Es hängt wie gesagt von der Selbständigkeit des Mitarbeiters
und der Situation ab.
4. Es gibt nicht die "ideale Führungskraft".

Fredmund Malik hat die These aufgestellt, dass es die "ideale
Führungskraft" nur in den Anforderungsprofilen von Personalabteilungen,
nicht aber in der Realität gibt. Die "ideale" Führungskraft
als eine Kreuzung aus "antikem Feldherrn, Physik-Nobelpreisträger
und Fernseh-Showmaster" geht an der Wirklichkeit vorbei. Deshalb
ist die Frage, welche für die Praxis viel relevanter ist: "Wie
schafft man es, normale Mitarbeiter zu Spitzenleistungen zu befähigen?"
Dies beantwortet Malik mit der Anwendung von bestimmten Prinzipien und
Orientierung.
Ich denke jede Führungskraft sollte einen individuellen Führungsstil
entwickeln, wo Führungstugenden wie z.B. Glaubwürdigkeit, Authentizität,
Entscheidungsfreude usw. eine Orientierung geben können.
4. Sie brauchen nicht immer neue Motivations- karotten
zu entwickeln.

Auch hier möchte ich eine Entwicklung ansprechen, die nicht sinnvoll
ist. Viele Führungskräfte glauben, alleine für die Motivation
des Teams verantwortlich zu sein und immer neue elegante Motivationstechniken
erlernen zu müssen, damit der Laden wieder in Schwung kommt. Die
Motivation als Karotte, die dem Esel immer wieder vors Maul gehalten wird,
damit er sich bewegt. Manche Mitarbeiter fordern die Karotte ein, nach
dem Motto "Motivier mich mal!". Ich denke, man kann auch eine
gewisse Grundmotivation vom Mitarbeiter erwarten. Das Problem der Motivation
hätten Sie gar nicht, wenn Sie statt des Esels ein wildes Rennpferd
hätten, welches nur zu gerne los galoppieren möchte. Motivation
durch den Vorgesetzten ist wichtig, aber gleichzeitig liegt es in der
Verantwortung des Mitarbeiters, selbst eine gewisse Eigenmotivation mitzubringen.
5. Gute Führung braucht am Anfang viel Zeit
und dann vielleicht weniger.

Ein Grundproblem, welches in vielen Trainings von den Führungskräften
angesprochen wird ist die Zeit:"Ja, ja Führung ist wichtig,
aber wir haben keine Zeit durch unser Tagesgeschäft". Sobald
dieses Problem auftaucht, braucht man eigentlich kein Führungstraining
mehr, sondern müsste sich die Arbeitsorganisation der Führungskraft
anschauen und über das Thema Delegation reden. Wenn Sie sich keine
Zeit für Führung nehmen, können Sie auch nur wenig Führung
ausüben. Führung ist immer auch eine Investition in Form von
Zeit, die sich später vielleicht in besseren Ergebnissen auszahlt.
Natürlich ist längerfristig eine Form von Selbstorganisation
und Selbstverantwortung der Mitarbeiter anzustreben. Zunächst bedeutet
Führung einen Mehraufwand an Zeit.
6. Führung ist teilweise sehr widersprüchlich.
Führungskräfte brauchen eine gewisse Ambiguitätstoleranz,
das heißt die Fähigkeit mit mehrdeutigen Informationen und
Widersprüchen umzugehen. Eine Führungskraft soll empathisch
sein, gleichzeitig aber auch Distanz wahren und konfrontieren können.
Weiterhin soll die Führungskraft offen und authentisch sein und gleichzeitig
erkennen, dass es nicht immer sinnvoll ist alles zu sagen, was man weiß.
Hier sieht man die Widersprüchlichkeit von Führung, die von
Führungskräften auch ertragen und ausgehalten werden muss.
7. Die Arbeit im Team ist fast eine Selbst- verständlichkeit.

In den 90er Jahren gab es eine große Diskussion, ob Teamarbeit
sinnvoll ist. Diese hat man häufig mit der Einführung von Gruppenarbeit
in der Produktion verbunden, wobei es bei dem Thema Gruppenarbeit inzwischen
auch wieder rückläufige Tendenzen gibt.
Kommen wir wieder zur Teamarbeit zurück. Ich denke man kann sagen,
dass in Bereichen, wo untereinander eine gewisse Abstimmung, Koordination
und Informationsaustausch wichtig sind, eine Arbeit im Team bessere Ergebnisse
bringt als Einzelkämpfertum. Auch eine Fußballmannschaft aus
hochbezahlten Spitzenspielern bildet noch lange kein erfolgreiches Team.
Nur durch ein Miteinander und einen gewissen Teamgeist können Spitzenleistungen
erbracht werden. Somit ist Teambuilding eine wichtige Aufgabe eines jeden
Vorgesetzten. Ausnahmen mag es vielleicht in manchen Außendienstbereichen
geben, wobei auch hier ein Mindestmaß an Kooperation hilfreich ist.
Als Abteilung im Team zu arbeiten heißt nicht, dass die Einzelleistung
nach dem Motto "Toll ein anderer macht`s!" nichts mehr Wert
ist. Auch diese muss intensiv gefördert werden.
Autor: Ingo Krawiec, Krawiec Consulting
Diese Seiten könnten Sie auch interessieren:

Monatstipp: Führungsinstrumente
Monatstipp: Mitarbeiterführung
Monatstipp:
Erfolgsrezepte für Teams
Monatstipp:
Geheime Teamspielregeln
Monatstipp:
Umgang mit Macht
Monatstipp:
Umgang mit dem Chef
Monatstipp:
Umgang mit Kritik
Monatstipp:
Umgang mit persönlichen Angriffen
Monatstipp:
Besprechungskulturen
Monatstipp:
Moderation

Managementtraining:
Persönlichkeitstraining
für
den
Führungsalltag
Managementtraining:
Erfolgreich führen
Durchschnittliche
Leserbewertung: sehr gut
Zahl der Leser: 4 |