"Fragen
macht klug."
(Deutsches Sprichwort)
Im letzen Monat wurden die Fragetechniken im Training erläutert
und auf die Inhaltsfragen eingegangen. In diesem Kapitel werden Prozess-
fragen und Beratungsfragen sowie allgemeine Regeln für Fragen im
Training erläutert.
Mit Prozessfragen steuert der Trainer das Training und moderiert Gespräche.
Folgende Prozessfragen sind hilfreich.
1. Die zusammenfassende Frage

Mit der zusammenfassenden Frage kann der Trainer
Diskussionen zusammenfassen, Fragen wiederholen und Kritik besser verstehen.
Durch zusammenfassende Fragen wird geklärt, ob man den anderen richtig
verstanden hat bzw. ob alle Informationen richtig angekommen sind. Es
werden die Worte des Teilnehmers in eigenen Worten wiederholt und durch
eine Frage das Verständnis sichergestellt.
Beispiele:
Haben ich Sie richtig verstanden, dass
Sie meinen also
Ihre Frage ist
Stimmt es, dass es hier zwei Positionen in der Gruppe gibt:
2. Die Konkretisierungsfrage

Teilweise bringen Teilnehmer sehr pauschale Aussagen
oder solche ohne großen Informationswert. Die Aussage "mir
geht es gut" in einer Morgenrunde im Seminar sagt nur wenig über
den Zustand des Teilnehmers aus. Wir wissen hier nicht, wieso es ihm gut
geht. Liegt es am Sieg seiner Lieblingsmannschaft oder am Seminarverlauf.
Hier ist die Frage sinnvoll: Woran machen Sie es fest, dass es Ihnen gut
geht? Oder: Was meinen Sie damit im Hinblick auf den Seminarverlauf? Die
Antwort auf diese Frage bringt wesentlich mehr Informationen. Mit den
Konkretisierungsfragen geht man von einer allgemeinen, abstrakten Ebene
auf eine konkrete, spezifische Ebene. Wird eine Situation beschrieben,
so wird es am ehesten deutlich und verständlich, wenn man danach
fragt, woran der Teilnehmer dies fest macht.
Beispiele:
Was heißt für Sie, es geht Ihnen gut?
Woran machen Sie Ihre Unzufriedenheit fest?
Was meinen Sie damit, es sei zu viel Theorie in diesem Seminar?
Wie meinen Sie das?
Was bedeutet für Sie ein erfolgreicher Seminarverlauf?
Woran merken Sie, dass Ihre Mitarbeiter motiviert sind?
Im Vergleich wozu ist dieses Produkt zu teuer?
Können Sie mir das näher erläutern?
Was genau meinen Sie mit der Forderung "mehr Praxis im Seminar"?
3. Zielfragen

Durch Zielfragen wird das Ziel klarer und die
Teilnehmer konzentrieren sich stärker auf die positiven Aspekte der
Zukunft. Häufig treten Teilnehmer mit Problemen an den Trainer heran.
Durch Fragen nach den Zielen des Teilnehmers, kann man das Gespräch
in eine konstruktive Richtung lenken.
Beispiele:
Was möchten Sie in diesem Gespräch erreichen?
Angenommen dieses Seminar wird für Sie ein voller Erfolg, woran würden
Sie es merken?
Wie sieht das Ziel aus Ihrer Sicht aus?
Was wünschen Sie sich für den morgigen Tag?
Was ist Ihr Ziel für das Seminar?
Was wünschen Sie sich von mir als Trainer?
4. Auswertungsfragen

Nach einer Übung oder nach einem Rollenspiel
sollten die Erfahrungen der Teilnehmer ausgewertet werden, damit die Erfahrungen
integriert werden können.
Beispiele
Wie war diese Übung für Sie?
Was diese Übung leicht oder schwer?
Welche Erfahrungen konnten Sie sammeln?
Wie lief der Gruppenprozess ab?
5. Metakommunikative Fragen

Metakommunikation ist das Kommunizieren über
die Kommunikation. Man geht auf eine höhere Ebene. Der Trainer sollte
die Metakommunikation nutzen, um Störungen, den Gruppenprozess oder
andere den Lernprozess betreffende Dinge anzusprechen.
Beispiele
Mir fällt auf, dass Sie heute Morgen als Gruppe etwas ruhiger
sind. Woran liegt das?
Ich habe den Eindruck, dass dieses Thema für Sie weniger wichtig
ist, stimmt das?
6. Beratungsfragen

sollten dazu dienen, fachliche und persönliche Probleme von Teilnehmern
zu lösen. Da diese Fragen aus den unterschiedlichsten Richtungen
kommen, möchte ich hier nur Beispiele bringen, die aus der systemischen
Richtung kommen. In einem Beratungsgespräch sind nicht die guten
Antworten die Lösung, sondern kluge Fragen.
Folgende Beratungsfragen
können im Training helfen:
1. Fragen nach Unterschieden

Information ist ein "Unterschied, der einen
Unterschied macht" (Bateson). Fragen in Trainingssituationen müssen
auf Unterscheidungen gerichtet sein, da ohne Unterscheidung keine Information
vorliegt. Die Aussage "Das Seminar ist gut." in einer Abschlussrunde
im Seminar ist kein Unterschied, der einen Unterschied macht. Hier ist
die Frage sinnvoll: Woran machen Sie es fest, dass das Seminar gut ist?
Die Antwort auf diese Frage bringt wesentlich mehr Informationen. Wird
eine Situation oder ein Merkmal beschrieben, so wird es am ehesten deutlich,
wenn nach dem Merkmal der Unterscheidung gefragt wird. Unterscheidungsfragen
dienen der Verdeutlichung von Wahrnehmungsunterschieden, Bewertungen,
Problemen, indem Sie nach Unterschieden, Rangreihen und Prozentangaben
fragen.
Beispiele:
Woran merken Sie den Unterschied?
Wenn alle Probleme beseitigt sind, woran merken Sie es?
Worin unterscheidet sich Ihre Arbeitsweise von anderen?
Woran merken Sie, dass Herr Meier faul ist?
Wenn alle Probleme beseitigt sind, woran merken Sie es?
Woran merken Sie, dass sich Ihr Mitarbeiter motiviert verhält? Was
macht er dann anders?
2. Skalierungsfragen und Prozentfragen

Skalierungsfragen und Prozentfragen machen Unterschiede
deutlich, indem sie Rangfolgen und quantitative Differenzierungen verdeutlichen.
Beispiele
Wie viel % Ihrer Probleme wären damit gelöst?
Wie würden Sie diese Sachverhalte auf einer Skala von 0-10
bewerten?
Wenn sie die Zusammenarbeit im Team in einer Skala von 0 bis 10 bewerten
müssten, wobei 0 sehr gut (optimal) und 10 so schlecht wie nur denkbar
bedeutet, welche Zahl würden Sie vergeben?
3. Kontext-Fragen

Kontextfragen dienen der Verdeutlichung des Situations- und Problemumfeldes.
Beispiele
Wer unterstützt, berät oder hilft zurzeit bei diesem Vorhaben?
Wie sieht das Projektumfeld aus?
Wer ist an dem Thema noch beteiligt?
Wen müssten wir zur Problemlösung noch befragen?
4. Hypothetische Fragen

Hypothetische Fragen dienen der Entwicklung neuer
Ideen, der Eröffnung
neuer Blickwinkel, Visionen und Lösungen. Scheinbar Unmögliches
wird durch
eine Frage denkbar gemacht. Zusammenhänge werden in einen ungewohnten
Kontext gestellt.
Beispiele
Angenommen, Sie verhielten sich ab sofort kooperativ, wie würden
Ihre Mitarbeiter reagieren?
Was würde passieren, wenn Ihr Chef morgen kündigen würde?
Eine gute Fee würde Ihnen 3 Wünsche ermöglichen, welche
wären das?
Stellen Sie sich vor, wir befänden uns 5 Jahre in der Zukunft, auf
welche Erfolge blicken Sie zurück?
Was wäre anders, wenn das Problem plötzlich über Nacht
verschwunden wäre?
5. Ziel- und Lösungsorientierte Fragen

Bei jeder Art von Training gibt es Situationen,
bei denen die Teilnehmer beziehungsweise Klienten zunächst ihr Problem
schildern. Meistens haben sie sich schon lange damit beschäftigt,
sonst würden sie dieses Problem nicht vorbringen. Je mehr sich der
Blickwinkel auf das Problem verengt hat, umso mehr ist die Beachtung dessen,
was funktioniert und gut ist, verschwunden. Ziel- und lösungsorientierte
Fragen verhelfen dem Teilnehmer zu anderen Denkweisen und neuen Handlungsalternativen
im Gegensatz zu problemorientierten Fragen (Schildern Sie mir Ihr Problem
genauer
), die bei den Teilnehmern zu einem problemorientierten
Denken führen und damit eine "Problemverharrung" oder auch
"Problemtrance" verursachen.
Beispiele
Was ist Ihr Ziel in dieser Situation?
Was möchten Sie in 3 Monaten erreicht haben?
Woran merken Sie, dass Sie Ihr Ziel erreicht haben?
Welche Kriterien müsste die Lösung erfüllen, damit sie
für Sie eine gute Lösung darstellt?
Autor:
Ingo Th. Krawiec, Krawiec Consulting
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