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"Wenn du eine weise Antwort willst, musst
du vernünftig fragen."
(Johann Wolfgang von Goethe)
Die alte Seminarweisheit "Wer fragt, der
führt" gilt natürlich auch für Trainer. Der Trainer
ist ein "professioneller Fragesteller". Die vom Trainer gestellten
Fragen stellen ein Mittel dar, das den Teilnehmern das Verstehen der Inhalte
erleichtern und damit beim Lernen helfen soll. Auch sollen sie dazu beitragen,
Teilnehmergedanken zu stimulieren und die Teilnehmer zum ständigen
Mitdenken anzuregen. Fragen an Teilnehmer sinnvoll zu formulieren und
zur rechten Zeit zu stellen, stellt die große Kunst des Trainers
dar.
Gerade dann, wenn Inhalte fragend-entwickelnd mit den Teilnehmern erarbeitet
werden, welches in den meisten Trainings heute phasenweise getan wird.
Der Trainer stellt Fragen, um

die Vorkenntnisse
der Teilnehmer zu ermitteln

die Aufmerksamkeit
der Teilnehmer zu wecken

die Teilnehmer
zu aktivieren

zum Nachdenken
anzuregen

den Gruppenprozess
zu steuern

einzelne
Teilnehmer zu beraten und

den Lernfortschritt
zu überprüfen.
Beim Training nutzen Trainer drei Fragearten: Inhaltsfragen, Prozessfragen
und Beratungsfragen.

1. Inhaltsfragen

dienen dazu, Inhalte zu vermitteln und Denkprozesse anzuregen.
Gerade bei mehr interaktiven Trainerinputs sind Fragen nicht mehr wegzudenken.
Inhaltsfragen sollen die Teilnehmeraktivität fördern, eine partnerschaftliche
Trainerrolle deutlich machen, besser Inhalte verankern, Erfahrungen der
Teilnehmer einbeziehen und dadurch den Praxisbezug erhöhen.
2. Prozessfragen

dienen dazu, den Gruppenprozess zu steuern, Probleme und Themen zu klären
und Übungen zu initiieren und auszuwerten. Diese Fragen zielen auf
die Steuerung und Lenkung des Lernprozesses.
3. Beratungsfragen

dienen kleinen Beratungssituationen innerhalb des Trainings. Es sind kleine
Mini-Coachings, die der Trainer sowohl fachlich aber auch personenbezogen
durchführt.
Es lassen sich folgende Inhaltsfragen unterscheiden:
1. Wissensfragen/Denkfragen

Wissensfragen sollen das vorhandene Wissen der
Teilnehmer abfragen und auch das Mitdenken im Training erhöhen. Wissensfragen
haben eine andere Funktion als in der Schule. Man will nicht die Leistung
von Einzelnen abfragen, sondern die ganze Gruppe aktivieren. Deswegen
werden Wissensfragen immer zunächst an die Gesamtgruppe gestellt.
Durch Wissensfragen kann man sich auch ein Feedback über den Kenntnisstand
der Gruppe bzw. das Verständnis der Gruppen bekommen. Denkfragen
geben Problemstellungen vor und stellen die Teilnehmer vor neuartige Situationen
oder Probleme. Sie fordern dazu auf, aus dem bisher Gelernten heraus Wissen
zu finden und auf das Problem zu übertragen.
Wichtig ist in der Erwachsenenbildung, dass die Antworten wertschätzend
aufgegriffen werden und falsche Antworten nicht entwertet werden. Es ist
günstiger, in der Erwachsenenbildung mehr offene Frage zu stellen.
Geschlossene Fragen laufen innerhalb eines Weges auf eine einzige Antwort
hin. Sie können ausgehend von bisher bekannten Inhalten gelöst
werden. Offene Fragen können über verschiedene Wege beantwortet
werden und lassen verschiedene Lösungsmöglichkeiten zu. Sie
regen zu neuen Denkrichtungen an und fördern die Kreativität.
Beispiele:
Was ist ein Konflikt?
Kennen Sie die vier Seiten einer Nachricht?
Was würden Sie hier tun?
2. Erfahrungsorientierte Fragen

Bei diesem Fragetyp werden die Praxiserfahrungen
der Teilnehmer in das Training einbezogen und Inhalte an diese Erfahrungen
angeknüpft. Dies ist sehr wertvoll, da man in der Erwachsenenbildung
davon ausgehen kann, dass bestimmte Erfahrungen mit einem Themengebiet
vorliegen. Wird die Theorie häufig an die Praxis angeknüpft,
gibt es keine große Kluft zwischen Theorie und Praxis.
Beispiele:
Welche Erfahrungen haben Sie mit Preisverhandlungen?
Wie gestalten Sie die Vorbereitung einer Präsentation?
Wie haben Sie dieses Gerät bisher repariert?
3. Brainstormingfragen

Um in ein neues Thema oder Themengebiet einzuführen, ist ein Brainstorming
hilfreich.
Der Trainer stellt eine offene Frage und schreibt alle Antworten der Teilnehmer
auf ein Flipchart. Der Trainer kann danach die Antworten kommentieren
oder ergänzen.
Beispiele:
Was fällt Ihnen zum Thema Konflikt ein?
Was löst das Wort "Stress" bei Ihnen aus?
Was heißt Mitarbeiter führen?
Welche Führungsinstrumente kennen Sie?
4. Transferfragen

Transferfragen sollen die Umsetzung des Gelernten
in die Praxis fördern, d.h. das Trainingswissen wird mit der Teilnehmerpraxis
verknüpft.
Beispiele
Wie können Sie diese Fragetechnik in Ihrer Praxis nutzen?
Welche Anwendungsmöglichkeiten hat dieses Werkzeug für Sie?
Welche Nutzungsmöglichkeiten hat die Serienbrieffunktion für
Sie?
5. Rhetorische Fragen

Rhetorische Fragen sind Fragen, die man an sich
selbst stellt. Auf rhetorische Fragen erwartet niemand eine Antwort. Im
Unterschied zu den normalen Fragen, wird nach der Frage keine lange Pause
gemacht. Rhetorische Fragen lenken das Interesse und können motivieren
zuzuhören. Rhetorische Fragen sind sehr sinnvoll, um zum Nachdenken
anzuregen, einen Spannungsbogen aufzubauen, eine Aussage stärker
zu betonen oder von den Teilnehmern (unausgesprochen) die gewünschte
Antwort zu erhalten. Mit rhetorischen Fragen können PowerPoint-Folien
eingeleitet werden oder man kann mit ihnen ein neues Thema einleiten.
Rhetorische Fragen haben universelle Einsatzmöglichkeiten und sind
bei Trainerinputs ein gutes Motivationsmittel. Allerdings sind echte Teilnehmerfragen
immer aktivierender.
Beispiele
Was sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren im Training?
Folgende
acht Faktoren...
Wie beeinflusst die Körpersprache die Wirkung des Redners?
Mindestens 50 % der Wirkung
Folgende Dinge sind bei den Wissens- und
Denkfragen zu beachten:
1. Zeit zum antworten
lassen

Nach einer gestellten Frage sollte der Trainer Ruhe bewahren und dem Teilnehmer
genügend Zeit zur Beantwortung der Frage einräumen. Viele Trainer
halten diese Bedenkzeit viel zu kurz, weil sie die Antwort der Frage schon
kennen oder diese Leerzeit nicht aushalten. Trainieren Sie, mindestens
3 Sekunden abzuwarten! Häufig ist es nicht einmal eine Sekunde, die
die meisten Trainer warten und sich dann wundern, dass keine Antwort kommt.
Wenn Sie merken, es kommt nichts, formulieren Sie die Frage mit anderen
Worten. Sie sollten auch nicht zu lange auf einer Frage herumreiten (Nase-Pul-Fragen).
Grundlage für eine schnelle Beantwortung von Trainerfragen ist ein
offenes Seminarklima. Fragesequenzen (auch die konkreten Frageformulierungen)
sollten vorbereitet werden.
2. Teilnehmern Zeit
für die Antwort geben

Der Teilnehmer sollte ganz ausgeredet haben, bevor der Trainer auf die
Antwort eingeht und darauf reagiert. Auch sollten die körpersprachlichen
Signale des Trainers eine ermunternde Wirkung haben. Bei falschen Antworten
sollte wertschätzend die richtige Antwort gegeben werde
3. Nur eine Frage auf
einmal

Es darf nur eine didaktisch wichtige Trainerfrage auf einmal gestellt
werden (Vermeiden von Doppelfragen oder gar Mehrfachfragen). Zwei oder
drei Frage auf einmal zu stellen verwirrt nur. Auch sollte bei der Wiederholung
von Fragen die Formulierung beibehalten werden. Die Frage muss sprachlich
eindeutig und inhaltlich korrekt sein, damit die Teilnehmer sie auch verstehen.
Auch Ratespiele sollten vermieden werden (Denken Sie mal darüber
nach, was ich jetzt denke), da Fairness und Offenheit ein Ziel im Training
ist. Man will die Teilnehmer ja nicht reinlegen.
4. Vermeiden Sie das
Trainerecho

Eine wörtliche Wiederholung ganzer Teilnehmerantworten oder einzelner
Teile sollte vermieden werden, es wirkt zuweilen 'papageienhaft' und führt
dazu, dass die Teilnehmer auch nur in Fragmenten antworten. Eine Wiederholung
in eigenen Worten kann hilfreich sein.
5. Umgang mit unpräzisen
Formulierungen

Der Trainer sollte bei unklaren bzw. unpräzisen Formulierungen nicht
zu schnell von sich aus die Antwort eines Teilnehmers ergänzen. Vielmehr
kann durch nachfassende Fragen versucht werden, eine gegebene Teilnehmerantwort
qualitativ weiterzuentwickeln.
6. Frage zunächst
an die gesamte Trainingsgruppe richten

Eine Frage sollte zunächst der gesamten Trainingsgruppe gestellt
werden. Die Frage an einzelne Teilnehmer zu stellen impliziert die Gefahr,
dass sich die anderen Teilnehmer aus dem Training ausklinken oder dass
sich der befragte Teilnehmer bloßgestellt fühlt.
Fragen an einzelne Teilnehmer kann man dann stellen, wenn man weiß,
dass diese aufgrund von speziellen Kenntnissen diese zu 100 % beantworten
können.
7. Auch ein zuviel
an Fragen ist nicht gut

Fragen sind gut, ein zuviel an Fragen ist aber nicht gut. Natürlich
kann man alles über Fragen entwickeln, aber an bestimmten Stellen
sollte der Trainer auch eine klare Richtung vorgeben. Kettenfragen oder
Verhörfragen sollten vermieden werden.
8. Fragen nicht zum
disziplinieren verwenden

Anders als in der Schule sollte der Trainer in der Erwachsenenbildung
Fragen nicht zum disziplinieren verwenden. Diese Fragen werden auch Killer-
oder Fangschussfragen genannt. Der Trainer hat bemerkt, dass ein Teilnehmer
träumt, stört oder mit Nebentätigkeiten beschäftigt
ist. Er nimmt ihn nur dran, um ihn bloßzustellen: "Herr Müller,
könnten Sie uns die Aufgabe noch mal erklären?" Wenn der
Trainer mit einem Teilnehmer nicht klar kommt, sollte diese Störung
im Training oder in der Pause offen angesprochen werden. Mit Fragen zu
disziplinieren ist indirekt und damit nicht geeignet.
Weitere Ausführungen zu den Prozess- und Beratungsfragen folgen im
nächsten Monat.
Autor: Ingo TKrawiec, Krawiec Consulting
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