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"Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden."
(Johann Wolfgang Goethe)


Jeder Trainer stellt sich hin und wieder die Frage: "Wie lernen meine Teilnehmer und wie kann ich meine Teilneh-
mer motivieren?".

Gerade eine wohl überlegte Didaktik kann wesentlich zum Erfolg eines Trainings beitragen. Einige Trainer denken: Wenn ich die Aktivität der Teilnehmer erhöhe, verliere ich Zeit. Jedoch ist gerade das Gegenteil der Fall. Jeder kennt doch den Fall, dass die Teilnehmer zwar die Augen geöff-net, aber innerlich abgeschaltet haben.

 

Was kann ich als Trainer tun, damit meine Teilneh-
mer optimal lernen?

1. Berücksichtigung der Teilnehmerbedürfnisse

Trainingsinhalte und Trainingsmethoden müssen mit den Teilnehmerbedürfnissen übereinstimmen. Teilnehmer ler-
nen nur Inhalte die sie interessieren bzw. die einen Nutzen für ihre berufliche Praxis haben. Man verliert die Teilneh-
mermotivation, wenn die Teilnehmer Informationen be-kommen, die für sie nicht relevant sind. Informationen
sollten anknüpfen an die Vorerfahrungen und Vorkennt-nisse der Teilnehmer.


2. Teilnehmermotivation steigern

Motivation ist eine Grundlage des Lernens. Motiviert sind Teilnehmer dann, wenn sie irgendwelche Vorteile durch das Lernen haben. Es gibt eine Einstiegsmotivation für ein Seminar und eine Motivation, die im Seminar geschaffen wird. Nur die zweite kann der Trainer beeinflussen.


Es gibt drei Hauptfaktoren für eine hohe Motivation im Seminar:

Die Inhalte
Die Inhalte müssen für die Teilnehmer bedeutungs- und wertvoll sein, wie oben bereits angesprochen. Des-
wegen ist eine Bedarfsanalyse im Vorfeld und eine Er- wartungsabfrage im Seminar notwendig, um eine hohe
Relevanz der Inhalte sicherzustellen. Auch sollte der
Trainer während des Seminarprozesses ab und zu Feed-
back bezüglich der Inhalte einholen. Weiterhin sollte für jede Lerneinheit das Ziel und der Zweck klar sein, um eine hohe Anfangsmotivation zu schaffen.

Die Methoden
Die Seminarmethoden sollten abwechslungsreich ge-
wählt werden und auf die Zielgruppen passen. Auf den
richtigen Methodenmix kommt es an.

Der Trainer
Jeder weiß von der Schule, dass manche Schüler bei
dem einen Lehrer motiviert waren und bei dem anderen Lehrer. Hier ist die Sozialkompetenz des Trainers ent-
scheidend. Weiterhin ist natürlich eine Grundvoraussetz-
ung, dass der Trainer selbst motiviert ist. Nur derjenige
kann die Motivationsflamme entfachen, der auch selbst brennt.

Die Lernatmosphäre
Auch die Lernatmosphäre beinflusst die Lernmotivation. Hierzu gehören Räumlichkeiten, aber vor allem das
Gruppenklima. Bei gleichen Inhalten, Methoden und
gleichem Trainer kann das eine Gruppenklima motivi-
erend sein und das andere eher anstrengend. Natürlich
kann der Trainer das Gruppenklima beeinflussen, aber
das hängt natürlich auch von den Personen ab.


3. Der erste und der letzte Eindruck bleibt am besten haften

Informationen zu Beginn und am Ende einer Lerneinheit bleiben am besten in Erinnerung. Daher sollten am Anfang wichtige Informationen gegeben werden und gegen Ende eine Zusammenfassung erfolgen. Weiterhin sollten reine Informationssequenzen nicht zu lange dauern.


4. Aktives Lernen ermöglichen


"Ich höre und vergesse, ich sehe und behalte, ich tue und ich verstehe"
(Konfuzius)

Teilnehmer lernen besser, wenn sie aktiv in den Lernpro-
zess einbezogen werden. Statt nur über etwas einen Vor-trag zu hören, sollten Teilnehmer auch aktiv etwas tun. Aktives Lernen hält die Teilnehmer wach.

Um Aktives Lernen zu ermöglichen, sollten im Training:

Übungen durchgeführt werden.

Fragen an die Teilnehmer gestellt werden.

Die Teilnehmer die Möglichkeit haben, das, was im Trai-
ning vermittelt wird, anzuwenden.

Nach langen Phasen des Sitzens Bewegung ermöglicht
werden.


5. Die Vorbildfunktion des Trainers

Eine der wichtigsten Lernformen im Training ist das Lernen durch Modelle. Dieses Imitationslernen oder auch Model-
ling wird von vielen Trainern zu wenig berücksichtigt. Ge-
rade das Modell des Trainers hat einen entscheidenden Einfluss auf das Lernen vieler Teilnehmer. Somit bekommt die Glaubwürdigkeit des Trainers eine herausragende Be-
deutung. Ein Trainer muss auch selbst vorleben, wovon er redet. Es wird von den Teilnehmern sofort durchschaut, wenn ein Trainer nicht hinter seinen Inhalten steht oder diese lebt.


6. Interaktion der Teilnehmer fördern

Im Plenum oder in der Gruppenarbeit Möglichkeiten des Austausches und Kontaktes zu schaffen, steigert Interesse und Motivation bei den Teilnehmern. Miteinander Lernen macht Spaß.


7. Anknüpfen an die Teilnehmerpraxis

Die Seminarteilnehmer haben eine engere Bindung an die Inhalte, wenn sie ihrer beruflichen oder privaten Praxis betreffen. Das höchste Interesse besteht, wenn die Inhalte an eine betriebliche Problematik anknüpfen, die den Teil-
nehmern auf der Seele liegt. Konsequenz: Arbeiten Sie mit Fällen und Problemen aus der Teilnehmerpraxis.


8. Gehirngerechtes Lernen

Gehirngerechtes Lernen heißt, neue Erkenntnisse der Lernpsychologie zu berücksichtigen. Erwachsene lernen mehr, wenn viele Sinne angesprochen werden. Wenn man eine Geschichte über ein Produkt nur hört, ist es fraglich, ob diese Information behalten wird. Wenn man das konkrete Produkt im Seminar gezeigt bekommt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich erinnert, höher. Wenn man konkrete Erfahrungen mit dem Produkt sammeln kann, bleibt es noch stärker in der Erinnerung.

Weiterhin sollten Inhalte gehirngerecht aufbereitet werden, um besser aufgenommen zu werden. Trainer sollten durch Merkhilfen, Bilder, Demos und Geschichten die Informationen so zusammenstellen, dass sie den Teilnehmern das Behalten leichter machen.


9. Wiederholen und Üben

Information werden nur dann im Langzeitgedächtnis gespeichert, wenn sie wiederholt werden oder wenn sie mit starken Emotionen verbunden sind. Daher ist es gerade bei komplexen Inhalten notwendig, Wiederholungen einzubauen. Wenn Teilnehmer etwas selber tun, lernen Sie am besten. Deswegen ist ein Einüben der Inhalte wichtig. Bei vielen Seminaren bleiben häufig nur die Übungen im Ge-dächtnis.


10. Lernprozesse wahrnehmen und steuern

Lernen ist kein statistischer Ablauf, sondern Verände-
rungen ausgesetzt. Von unerfahrenen Trainern wird oft
der Fehler gemacht, sich zu starr an den Trainingsplan zu halten. Wenn sich während eines Trainings die Gruppendy-namik verändert, sollte der Trainer dies wahrnehmen und entsprechend mit veränderten Übungen und Inhalten darauf reagieren. Jede Gruppe ist anders. Jede Entwick-lung der Gruppe kann anders sein. Auch die Höhen und Tiefen im Training können unterschiedlich sein. Von jedem Trainer wird erwartet, auf aktuelle Lern- und Gruppenpro-zesse einzugehen, um ein Training erfolgreich zu gestal-ten.

Autor: Ingo Th. Krawiec, Krawiec Consulting

 

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