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Artikel Nr.: 26
 
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"Tadeln ist immer ein dankbarerer Stoff als das Loben."
(Friedrich von Schiller)

"Der Mensch bedarf des Lobes fast wie der Nahrung."
(Emanuel Wertheimer)



Dieser Monatstipp beschäftigt sich mit einem Thema, das so alt ist wie die Menschheit selbst:


Anerkennung und Lob.

Wir alle wissen, wie wichtig es gerade für Führungskräfte ist, anderen Lob und Anerkennung auszusprechen. Wie sieht es jedoch in der Praxis aus? Die meisten Mitarbeiter beklagen sich über zu wenig Anerkennung durch ihre
Vor
gesetzten. Man braucht hier keine teure Betriebsklim-
analyse, um zu der Erkenntnis zu kommen, dass Vorge-
setze ihre Mitarbeiter zu wenig loben. Wobei es hier natür-
lich auch rühmliche Ausnahmen gibt.

Das Thema "Zu-Wenig-Anerkennung" reicht bis ins Privat-
leben hinein. Wie viele Hausfrauen fühlen sich in ihrer häuslichen Arbeit nicht genug anerkannt und wie viele Kin-der meinen, zu wenig Lob für ihre schulischen Leistungen zu bekommen.

In Deutschland kommt noch ein Kulturphänomen dazu: Die Deutschen gelten als Perfektionisten und mäkeln ger-ne an vielen Dingen herum. Erinnern wir uns an die Dis-kussionen bei der letzten Fußballweltmeisterschaft 2002. Obwohl die Deutsche Mannschaft letztendlich eine gute Leistung gezeigt hatte, wurden dann teilweise fehlende Kreativität und Fußballzauberei kritisiert, obwohl dies noch nie typisch deutsche Stärken waren.

Bei den Amerikanern z.B. hat Anerkennung im Alltag und Beruf einen viel höheren Stellenwert. Auch ist die Begeis-
terungsfähigkeit der Menschen dort viel ausgeprägter. Da-bei ist Anerkennung so wichtig für uns alle. Wir alle ver-spüren einen natürlichen Hunger nach Anerkennung. Wenn dieser Hunger nicht gestillt wird, trocknet der Mensch innerlich aus, er resigniert, wird kraftlos und unmotiviert. Natürlich muss nicht jede Anerkennung von außen kom-men, man kann sich auch selbst Anerkennung geben.

Dem Vorgesetzten muss klar sein, dass er durch das An-
erkennen und Loben bestimmter Verhaltensweisen den Mitarbeiter in diesen bestärkt, und er diese Verhaltenswei-
se beibehalten oder wenn möglich sogar noch weiter ver-
bessern und ausbauen wird.

Häufig wird von Vorgesetzten eingewandt, dass die Mitar-
beiter bei zu viel Anerkennung vielleicht eine Gehaltser-
höhung fordern. Sicherlich kann das vorkommen. Wenn der Mitarbeiter jedoch eine gute Leistung erbringt und diese aufgrund des Lobes vielleicht sogar noch steigert, dient das dem Betrieb und die Gehalterhöhung ist auch gerechtfertigt. Gute Leistung muss auch gewürdigt werden und Lob und Anerkennung zur rechten Zeit am rechten Fleck dienen auch dem Betriebsklima.

 

Was ist bei der Verwendung von Anerkennung als Führungsinstrument wichtig?


1. Anerkennen heißt eigentlich authentisch sein

Etwas anzuerkennen bedeutet eigentlich, einfach auszu-
sprechen, wenn ich etwas an einem anderen schätze. Da-mit ist man in einem hohen Grad authentisch, da man sei-ne inneren Gedanken ausformuliert. Viele schaffen diesen Schritt nicht , weil es ihnen in diesem Moment peinlich ist, den anderen zu loben oder weil sie glauben, gerade keine Zeit zu haben. Anerkennung auszusprechen heißt somit, die Situation voll zu erfassen, sich auf sein Gegenüber einzustellen und das auch zu formulieren, was man denkt.


2. Um Anerkennen zu können, braucht man selbst Anerkennung

Mit ein Grund, warum jemand wenig Anerkennung aus-
spricht, ist, dass er selbst wenig Anerkennung erhält oder sich selbst wenig Anerkennung gibt. Wenn ich selbst nur kritisiert werde fällt es mir natürlich schwerer, anderen Anerkennung zu geben. Gerade bei Führungskräften ge-
hört auch eine gute Portion Selbstbewußtsein dazu. Nur wer auch seine eigene Leistung schätzt, kann die Leistung anderer oder Untergebener loben. Deswegen sollten Sie sich selbst Anerkennung geben. Eric Bern nennt dies "Self-Stroking". Überlegen Sie sich, wie Sie sich selbst etwas Gutes tun können und dies nicht nur nach guten Leistungen.


3. Anerkennung sollte spezifisch sein

Wenn manche Vorgesetzte eine Anerkennung aussprech-en, fällt diese meist sehr kurz und pauschal aus. Es wird der Satz gesagt: "Das haben Sie gut gemacht" und fertig ist die Anerkennung. Wenn Sie Anerkennung äußern, sollten Sie diese spezifizieren: Was genau fanden Sie gut , welches waren die positiven Auswirkungen dieser Leistung. Erwähnen Sie die persönlichen Qualitäten, mit denen der Mitarbeiter zur Leistung beigetragen hat.


4. Anerkennung muss echt sein

Jeder Mitarbeiter hat ein feines Gespür dafür, ob Aner
ken- nung echt ist oder ob sie aus strategischen Gründen erteilt wird. Sprechen Sie nur dann eine Anerkennung aus, wenn diese auch ernst gemeint ist und nicht weil es Ihnen ein Führungstrainer erzählt hat. Nutzen Sie Situationen, in denen ein Lob angebracht ist.


5. Es gibt vier Arten der Anerkennung

Anerkennung kann verbal oder nonverbal und bedingt oder unbedingt erfolgen. Anerkennung muss nicht nur verbal, sondern kann auch nonverbal erfolgen. Wenn Sie Ihren Mitarbeitern eine Kuchen mitbringen oder mal die Hand schütteln, sind dies auch Formen der Anerkennung. Die stärkste Form der Anerkennung ist die unbedingte Anerkennung, wenn Sie Ihrem Mitarbeiter sagen "Ich finde es toll, dass ich Sie in meinem Bereich habe" hat dies eine stärkere Wirkung wie wenn Sie sagen "Ich bin sehr zu-
frieden, weil Sie sehr pünktlich sind".


6. Anerkennen Sie nicht nur Überdurchschnittliches

Viele Vorgesetzte denken, Anerkennung sei nur bei über-
durchschnittlichen Leistungen wichtig. Dies kann bedeuten, dass ein Mitarbeiter vielleicht nur einmal im Jahr gelobt wird, was natürlich eindeutig zu wenig ist. Erkennen Sie auch Kleinigkeiten an, die vielleicht selbstverständlich, je-
doch wichtig sind. Auch die normalen, regelmäßigen Lei-
stungen benötigen eine Anerkennung.


7. Missbrauchen Sie Anerkennung nicht als Kritik

Wenn Sie Mitarbeiter in Anwesenheit von anderen Aner-
kennung zollen, hat dies eine Verstärkungsfunktion, kann aber auch dazu führen, das sich andere kritisiert fühlen. Versuchen Sie, Anerkennung zu geben ohne die anderen Teammitglieder abzuwerten oder Sie gegeneinander aus-
spielen zu wollen.


8. Praktizieren Sie Anerkennung im Alltag

Gerade der Alltag ist ein gutes Übungsfeld für Anerken-
nung. Wann haben Sie das letzte Mal jemandem gesagt das Sie mit seiner Leistung zufrieden sind oder Ihrem Partner etwas Nettes geschenkt. Der Alltag bietet viele Möglichkeiten, Anerkennung auszuteilen und Sie werden feststellen auf welch positive Resonanz Sie dabei stoßen.


Autor: Ingo Th. Krawiec, Krawiec Consulting





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