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Wieder ist ein neuer Begriff in der Trainerszene
zu hören. Durch die Buchveröffentlichung von Dave Meier im Verlag
Managerseminare ist der Begriff des Accelerated Learning in Deutschland
bekannter geworden. Für mich ist AL (Accelerated Learning eine Weiterentwicklung
der Gedanken der Suggestopädie. Die Suggestopädie war Mitte
der 80er Jahre stark mit dem Begriff "Superlearning" beim Erlernen
von Fremdsprachen verknüpft.
Accelerated Learning kann man frei übersetzen mit "beschleunigtes
Lernen" und hat das Ziel, mehr Inhalte in kürzerer Zeit zu vermitteln.
Allerdings stellte sich hier die Frage, wie bei vielen "neuen"
Dingen, die aus Amerika kommen, ob die Gedanken des AL wirklich neu sind
oder ob der neue Begriff mehr der besseren Vermarktung dient. Dies möge
der Leser selbst entscheiden. Allerdings so viel vorab, die Literatur
zum Thema AL bietet viele neue Übungen und Ideen für die Durchführung
von Trainings.
Sind die Leitideen des AL wirklich neu? Im Folgenden
ein Vergleich von Leitideen AL (Dave Meier, Accelerated Learning, S. 57)
mit Trends in der Weiterbildung von 1984 (Decker, Grundlagen und neue
Ansätze in der Weiterbildung, S. 34).
| Leitideen von AL |
Trends in Weiterbildung von
1984 |
| Lernen umfasst Geist und Körper
in ihrer Ganzheit |
Ganzheitliche,
mehrdimensionale Unterrichtsgestaltung |
| Lernen ist Kreieren, nicht konsumieren
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| Zusammenarbeit fördert Lernen |
Teilnehmerzentrierung/
Interaktionelles Lernen/
Soziales Lernen in Gruppen |
| Lernen geschieht auf vielen Ebenen
gleichzeitig |
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| Lernen entspringt aus dem Verrichten
der eigentlichen Arbeit (mit Feedback) |
Lernen entspringt aus dem Verrichten
der eigentlichen Arbeit (mit Feedback) |
| Positive Emotionen fördern Lernen
doppelt |
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| Das bildliche Gehirn erfasst Informationen
sofort und automatisch |
Demonstrieren und Visualisieren |
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Partizipation/
Partnerschaftliche, kooperative Unterrichtsgestaltung |
Man sieht hier gewisse Ähnlichkeiten zwischen
den Trends der 80er Jahren und dem Ansätzen der AL. Die Gedanken
des gehirngerechten Lernens hat Vera Birkenbihl in Ihrem Buch "Stroh
im Kopf" bereits 1983 aufgegriffen und den Gedanken der Lerntypen
Frederic Vester 1978 mit dem Buch "Denken, Lernen und Vergessen".
Auch die Phasen des Lernens haben gewisse Ähnlichkeiten
mit dem alten PITT-Modell von Hoberg (Gerrit Hoberg, Training und Unterricht,
1988). Allerdings sind die Beispiele beim AL umfassender, durchdachter
und praxisnäher wie beim PITT-Modell.
Vollständiges 4-Phasen-
Lernen (Meier) |
PITT-Modell von Hoberg |
Planen
(Positives Lernumfeld,
Neugier wecken, Entfernen
von Lernbarrieren, usw.) |
Problematisieren
(Motivation, Nutzen) |
Präsentieren
(Interaktive Präsentationen, Beobachten von Live-Situationen,
Partner und Teamaufgaben, usw.) |
Informieren
(Trainervortrag, Lehrgespräch, Selbständiges Erarbeiten) |
Praktizieren
(Vertiefende Übung, Praktische Versuche, Simulationen, usw.)
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Trainieren
(Partner- und Gruppenarbeit, Rollenspiele, Fragespiele, usw.) |
Produzieren
(Coaching, Durchführungspläne, nachbetreuende Unterlagen,
usw.) |
Transfer
(Umsetzung in die Praxis, Checklisten, Maßnahmenpläne,
usw.) |
Nicht alles, was als neu oder revolutionär bezeichnet
wird, ist es auch wirklich. Manchmal bringt jedoch ein neuer Begriff mal
wieder neue Impulse, die das Nachdenken anregen.
Was sind die wichtigsten Gedanken des Accelerated
Learning?
1. Nicht nur auf eine große Stoffmenge,
sondern auf die Verankerung des Stoffs achten

Die meisten Trainer versuchen, möglichst
viel Stoff in der zur Verfügung stehenden Zeit den Teilnehmern zu
vermitteln. Sie erreichen oft das Gegenteil, das heißt, kaum etwas
bleibt hängen und das ganze Training ist nicht effektiv. Sinnvoller
ist es, stärker auf eine gute Verankerung der Inhalte ins Langzeitgedächtnis
zu achten, die durch Übungen und Wiederholungen erreicht werden kann.
Planen Sie nach Informationsphasen immer wieder Übungen und Wiederholungsaufgaben
ein. Überlegen Sie sich viele kreative Möglichkeiten, Inhalte
zu wiederholen.
2. Lernen kann und soll Spaß machen

Versuchen Sie, eine positive Lernumgebung zu
schaffen. Bauen Sie interessante Aufgaben und Spiele in das Training ein.
Nutzen Sie Gruppenarbeiten für die Erarbeitung von Inhalten. Gestalten
Sie jede Trainingssequenz abwechslungsreich und spannend. Schaffen Sie
Neugier bei den Teilnehmern. Auch können Sie Musik im Seminar einsetzen.
Wenn die Teilnehmer abschalten, machen Sie etwas falsch.
3. Versuchen Sie, die Inhalte gehirngerecht
aufzuarbeiten

Gestalten Sie eine stressfreie und positive Lernumgebung.
Versuchen Sie alle Lerntypen anzusprechen (Lernen durch Hören, Sehen,
Tun). Machen Sie aktive Tätigkeiten und Körperübungen zum
Bestandteil Ihres Trainings. Nutzen Sie immer wieder das Lernen in Kleingruppen
oder Teams. Nutzen Sie viele Demomaterialien, Visualisierungen und Musik
im Seminar. Bieten Sie den Teilnehmern Merkhilfen an.
4. Wechseln Sie zwischen aktiven und passiven
Lernaktivitäten

Lange Passivität führt zur Ermüdung
des Körpers und des Geistes der Teilnehmer. Wer ermüdet ist,
nimmt keine Inhalte mehr auf und damit wird das Training unproduktiv.
Versuchen Sie, immer wieder aktive Lerneinheiten (Übungen, Wiederholungen,
Gruppenarbeit) einzubauen.
5. Schaffen Sie eine positive Lerngemeinschaft

Eine positive Gruppenatmosphäre unter den
Teilnehmern fördert das Lernen. Versuchen Sie, immer wieder Gruppenarbeiten
durchzuführen. Nehmen Sie Einfluss auf die Gruppenatmosphäre.
6. Nutzen Sie periphere Informationen

Periphere Informationen sind Wanddekorationen,
Posten, Piktogramme usw..
Diese Visualisierungen haben den Vorteil, dass sie immer sichtbar im Raum
sind und dadurch besser ins Gedächtnis verankert werden.
7. Binden Sie die Teilnehmer aktiv ins Lernen
ein

Lernen ist kein reines konsumieren, sondern die
Teilnehmer müssen selbst neues Wissen in vorhandene Strukturen einbetten
und sich Gedanken zur Umsetzung machen. Auch sollten die Teilnehmer Einfluss
auf den Lernprozess nehmen können. Fragen Sie die Erwartungen der
Teilnehmer ab und reflektieren Sie regelmäßig den Lernprozess
mit den Teilnehmern.
Auch wenn viele Gedanken und Leitideen des AI nicht neu sind, ist das
Buch von Dave Meier eine absolute Empfehlung, da es viele Übungen
und Ideen für die Trainingsdurchführung bietet. Ich denke es
geht beim Trainingsdesign nicht darum, etwas in kürzerer Zeit durchzuführen,
sondern überhaupt eine Nachhaltigkeit, Trainingseffizienz und einen
hohen Transfer in der Praxis zu erreichen. Meiner Meinung nach sind viele
Trainings häufig unproduktiv, was nicht an dem Willen der Trainer
liegt, sondern an einem mangelnden Wissen über Didaktik und Lernmethoden.
Viele Trainer werden einfach ins kalte Wasser geschmissen und führen
dann, ein Training wie eine Präsentation durch (Frontalunterricht
mit vielen Folien). Hier können Fortbildungen wie Train the Trainer-Seminare
helfen. Diese Investition in eine Trainerfortbildung ist schnell durch
effektivere Trainingsgestaltung wieder eingeholt. Wie viele Millionen
Euro durch schlechte Trainings in Deutschland verschwendet werden, möchte
ich nicht ausrechnen.
Autor:
Ingo Krawiec, Krawiec Consulting
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